Alles, was uns bewegt

Sieben Wochen Einführungskurs: Wer bin ich, und wenn ja wie viele?

Die Jungvolontäre der Augsburger Allgemeinen. Foto: Jochen Aumann

Volontäre der Augsburger Allgemeinen müssen so einiges wissen. Wie schreibt man eine lesenswerte Nachricht? Was besagt das Presserecht? Wie läuft eine Sitzung im Gemeinderat ab? Die Volos an der GHJS lernen das in einem siebenwöchigen Einführungskurs. Und der ist alles andere als rein theoretisch.

Zu den großen Bereicherungen, die wir sozialen Medien verdanken, gehören ja melodramatische Bilder mit sinnstiftenden Sprüchen à la „Vergiss nie, wer du bist.“ Respektive soll man sich merken: woher man kommt, wohin man will. Nun, das zu vergessen ist nach sieben Wochen Einführungskurs in der GHJS schlichtweg unmöglich – zu oft pflegten die zwölf Jung-Volos ihr liebgewonnenes Vorstellungs-Ritual vor den Referenten, die den Weg in die Höhle des Löwen,  den Seminarraum B150, gefunden hatten. Lektion eins der Ausbildung war also schnell gelernt. Und viele weitere folgten, wenn auch eher beruflicher denn persönlicher Natur.

Ein Rundum-Paket für alle Fälle

Kurz vor Beginn der siebenwöchigen Fastenzeit wurden wir ebenso lange – nun ja – gemästet. Los ging’s mit dem täglichen Brot: Wie schreibe ich eine Meldung? Wie drücke ich mich angemessen aus? Und überhaupt: Wer oder was steckt hinter unserer Zeitung? Stefanie Sayle, Geschäftsführerin der Medien-Akademie, hatte sich ein informatives wie abwechslungsreiches Programm ausgedacht, das bei wirklich jedem der Volos Anklang fand.

So etwa die Gesprächsrunden mit Gregor Peter Schmitz (Chefredakteur) und Gerd Horseling (stellvertretender Chefredakteur), die durch die Brille unserer Zeitung zurück und nach vorne blickten – auch, wenn es mehr und mehr zum Mode-Wort geworden ist: spannend.

Oder Besuche beim Polizeipräsidium Schwaben-Nord und am Amtsgericht Augsburg, die uns einen besonderen Eindruck journalistischer Verantwortung verliehen – nicht zuletzt, da man bei Missbrauch dieser Verantwortung auch selbst in Probleme geraten kann, wie unsere Schulung in Presserecht zeigte.

Im Einführungskurs geht’s auch um die verschiedenen Ressorts

Oder der zweitägige Foto-Kurs mit den Fotografen Jochen Aumann und Silvio Wyszengrad, in dem Wyszengrad vor der Kamera für großes Gelächter sorgte. Er spielte seine Rolle als Model nämlich dermaßen authentisch, dass man beinahe glaubte, er sei der geldgierige Geier, für den er sich ausgab. Neben der Gaudi standen aber auch die fotografischen Feinheiten auf dem Programm, mit denen wir jetzt jede Szenerie, jedermann und –frau besten Gewissens ablichten können.

Oder Einblicke in die verschiedenen Ressorts, die die Wahl für das zweite Volontärs-Jahr definitiv schwieriger machten – zu interessant präsentierten sich beispielsweise die Konkurrenten Sport (Stadion?) und Kultur (Konzert?). Eines der beiden Ressorts ist Pflicht im zweiten Ausbildungsjahr an der Günter Holland Journalistenschule. Bei anderen Pflichtressorts, etwa Bayern oder Online, wuchs die Vorfreude umso mehr.

Abends geht es zum Eishockey – oder in den Gemeinderat

Oder die zahlreichen Schulungstage, an denen die großartigen Coaches uns den Umgang mit den verschiedenen Arbeitssystemen (Alfa, Cue, Media Suite etc.) beibrachten, um nicht zu sagen eintrichterten – anstrengend, aber unsagbar wichtig für unser künftiges Arbeiten.

Oder der Besuch des Gemeinderats Affing, den wir nach schier endlosen Debatten um Ausschüsse und kalte Nahwärme (oder war es nahe Kaltwärme? Warme Nahkälte?) nach dreieinhalb Stunden verließen, um einige Lektionen in schwäbischem/altbayerischem „G’schwätz“ bereichert. Auch das eine Erfahrung, die uns zweifelsfrei für den Umgang mit kommunalpolitischen Interessen und Befindlichkeiten sensibilisierte und damit wertvoll war.

Oder Blattkritiken der Augsburger Allgemeinen. Oder GEZ-Diskussionen. Oder Readerscans. Oder Video-Drehs. Oder Glossen. Oder das Kennenlernen der Kantine und unserer künftigen Kollegen (nicht nach Priorität sortiert).

Sieben Wochen voller Gaudi, Abwechslung und Erkenntnisse – nicht nur darüber, wer wir sind. Liebe Lokalredaktionen: Es kann losgehen! Wir kommen!

Alles, was uns bewegt

Volos und Videos – Liebe auf den ersten Tag

Die 12 Jungvolos durften endlich raus aus dem Schulungsraum und selbst Videos drehen.

Ein Drehbuch schreiben, Szenerien auswählen, filmen und Videos schneiden. All das gehört heute zur Arbeit eines Zeitungsredakteurs dazu. Für die Jungvolos der Günter Holland Journalistenschule heißt das: Raus aus dem Schulungsraum und ab hinter die Kamera.

Zeitungsjournalist zu sein, bedeutet schon lange nicht mehr nur: Recherchieren, Sortieren, Abtippen. Das Bedürfnis nach crossmedial aufbereiteten Inhalten ist vor allem durch soziale Medien stark gestiegen – und damit auch unser Anspruch, diese Nachfrage zu befriedigen. So stand kurz vor Schluss der sieben Einführungswochen an der Günter Holland Journalistenschule ein eintägiger Video-Crashkurs auf dem Programm, den Karl „Charly“ Rauch, ehemaliger Chef vom Dienst der Augsburger Allgemeinen, leitete.

Ein ehrgeiziges Ziel

Er formulierte ein ehrgeiziges Ziel: Am Ende des Tages sollte jeder der zwölf Jung-Volontäre in der Lage sein, eine Video-Kamera professionell zu bedienen, ein Drehbuch zu erstellen, mehrere Szenerien und Gesprächspartner angemessen und aus verschiedenen Perspektiven zu filmen, und all das schließlich so zu schneiden, dass ein semi-professioneller Kurz-Film entstehen könne. Puh. An einem Tag?

Kniffe aus jahrzehntelanger Erfahrung

Aber gut, dachte man sich, pack ma’s an. Der Vormittag war dem Theorie-Teil gewidmet, in dem Herr Rauch sämtliche Kniffe aus jahrzehntelanger Bewegtbild-Erfahrung teilte. Etwa, welche Perspektiven das Auge als angenehm wahrnimmt, wie abwechselnde Einstellungsgrößen die Aufmerksamkeit steigern oder wie man stabil filmt („Der Mensch hat nicht umsonst zwei Arme“). Nach einer ersten Probe aufs Exempel, einem Kurzfilm über das Schälen eines Apfels, bildeten die Jungvolos vier Gruppen, in denen sie das Gelernte nun umsetzen sollten.

Trubel, Tipps, Tippkick-Turnier

Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt – Freiheit, die die Gruppen mit viel Freude zu nutzen wussten. So entstanden im Laufe weniger Stunden ganz unterschiedliche, aber immer wohlüberlegte Kurzfilme. Mal ging es um die Leiden des busfahrenden oder des parkplatzsuchenden AZ-Volkes, mal um lustige Tipps für kalte Wintertage, mal um ein verbissenes Tippkick-Turnier zwischen Redakteuren und Volos. Am besten sehen Sie selbst.

Näher an der Goldenen Ananas – aber…

Natürlich waren die Produktionen näher an der goldenen Ananas als am Oscar, das geschulte Auge von Herrn Rauch identifizierte in Sekundenbruchteilen gnadenlos auch kleinste handwerkliche Ungereimtheiten. Trotzdem: Dafür, dass unter den Jung-Volos zuvor kaum jemand Erfahrungen im professionellen Umgang mit Videos gemacht hatte, war der Fortschritt innerhalb eines Tages durchaus beachtlich. Und Spaß hatte es auch gemacht.

Fliegendes Klassenzimmer

Live aus dem Curt-Frenzel-Stadion: Volos beim Eishockeyspiel

Beim Spiel der Panther sitzen die Volos in der ersten Reihe. Foto: Leonie Küthmann

Während die Altvolos den ersten Tag in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen bestreiten, besuchen die Jungvolos als Teil des Einführungskurses ein DEL-Spiel der Augsburger Panther. Letztere schreiben zum Spiel einen Übungstext – und als Sportvolontärin im zweiten Jahr kann man sich dann auch einfach mal zurücklehnen.

Manche Dinge passieren eben von einem Tag auf den anderen – gestern Mindelheim, heute Augsburg. Gestern Lokalteil, heute Mantelteil. Und während wir Altvolos, also die im zweiten Ausbildungsjahr, von jetzt auf gleich einer neuen Herausforderung gegenüberstehen, die sich von nun an alle vier Wochen ändert (weil wir ständig die Ressorts wechseln), lernen unsere Nachfolger, die Jungvolos, im Einführungskurs alles, was sie zum Überleben brauchen.

Dazu gehört auch: ein Besuch bei einem Eishockeyspiel der Augsburger Panther mit anschließendem Spielbericht. Genau vor einem Jahr saßen wir, der Jahrgang 2018/19, im Curt-Frenzel-Stadion und haben wachsam ein DEL-Spiel des AEV gegen den EHC Red Bull München verfolgt – natürlich nach vorheriger Einweisung durch den Eishockey-Profi der Augsburger Allgemeinen, Milan Sako.

Teil des Einführungskurses an der Günter Holland Journalistenschule: der Besuch eines Eishockeyspiels

Und wie das eben manchmal so ist, wenn man etwas länger irgendwo arbeitet oder ausgebildet wird: Irgendwann kommt das ein oder andere Privileg vorbei. Man kann es natürlich auch Glück nennen oder einfach dem Kollegen Sako danken, der mir, der aktuellen Sportvolontärin, die Karte am Freitagmittag auf den Schreibtisch gelegt hat – ich durfte mit den Jungvolos, Milan Sako, Andreas Kornes, einem weiteren AZ-Sportredakteur, und der Leiterin der Günter Holland Journalistenschule, Stefanie Sayle, das Spiel des AEV gegen die Nürnberger Thomas Sabo Ice Tigers besuchen.

Teile des Programms: ein Besuch der VIP-Loge, das Spiel, die anschließende Pressekonferenz und ein Besuch der sogenannten Mixed Zone, in der nach dem Spiel Sportler, Funktionäre und Journalisten aufeinander treffen. Gerade die letzten beiden Programmpunkte sind für erfahrene Sportredakteure Routine, als junger – mittlerweile irgendwie halbfertiger – Journalist ist das aber immer noch ein spannendes Erlebnis. Wie läuft eine Pressekonferenz ab? Wie spricht man mit den Spielern? Nachdem ich das Prozedere aus dem Vorjahr schon kannte, wusste ich, dass der Umgang in der Mixed Zone mit den Eishockeyspielern sehr entspannt ist – für die Jungvolos war es aber sicher beeindruckend, die Spieler von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihnen Fragen zu stellen.

Dieses Mal siegten die Augsburger Panther leider nicht

Den Blick von oben lassen sich die Volos nicht entgehen. Foto: Leonie KüthmannLeider konnte das Fazit der AEV-Spieler dieses Mal nicht so positiv ausfallen: Lange hatten die Panther geführt, dann hatte sich das Spiel in den letzten Minuten gedreht – Niederlage gegen Nürnberg. Hierbei sei erwähnt, dass die Spiele der Panther meist positiv ausgehen, wenn die Volos dabei sind – bei uns war das im vergangenen Jahr gegen München übrigens auch der Fall.

Für Milan Sako, der das Spiel aktuell schreiben musste, war das dieses Mal keine besonders angenehme Situation. Die Jungvolos hatten es da etwas entspannter: Ihre Texte sind Übungen und werden nicht veröffentlicht – daher haben sie mehr Zeit, ihre Aufgabe sorgfältig zu erledigen. Und Sorgfalt ist dabei definitiv geboten: Denn wie alle Übungstexte aus dem Einführungskurs besprechen unsere Nachfolger ihre Werke nach einigen Tagen mit Milan Sako und Stefanie Sayle.

Deshalb ist es nur logisch, dass alle Jungvolos eifrig in ihre Blöcke kritzelten, um ja keine Situation auf dem Feld zu vergessen. Ich hingegen konnte mich nach meinem ersten Tag in der Augsburger Zentrale erst einmal zurücklehnen und ein Altvolo-Privileg genießen: einfach nur das Spiel verfolgen. Eine kleine Auszeit nach dem ersten aufregenden Tag im Ressort Sport – kann der erste Tag im Mantel besser sein?