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Jeden Tag ein Abenteuer

Kein normales Volksfest: die Nördlinger Mess‘

Der Volontär parkt Autoscooter ein. Foto: Szilvia Iszó

Du bist Mess‘-Beauftragter, hat die Redaktion gesagt. Geh´ mal Temperatur messen, hat die Redaktion gesagt. Und so stehe ich an einem der heißesten Tage im Juni, die 30-Grad-Celsius-Marke ist längst überschritten, auf dem Gelände des Nördlinger Volksfestes, laufe von einem Würstchenstand zum nächsten und messe die Temperaturen, die es über dem Grill hat – und das als Vegetarier.

Meine Redaktionsleiterin hat mich gefragt, ob das okay für mich ist, ob es mir etwas ausmacht. Es ist kein Problem, ich esse die berühmten Mess‘-Würste ja nicht. So stehe ich dann vor den Grillbuden und halte die Messnadel des Thermometers über die Würste. Die Zahlen auf der Temperaturanzeige steigen und steigen, sie steigen auf bis zu 169 Grad. Und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Grill klagen nicht einmal.

Das Gelände der Nördlinger Mess'. Foto: Jan-Luc Treumann

Die Nördlinger Mess‘ zu betreuen, ist meine Aufgabe als Volontär, das hatte mir mein Vorgänger schon mitgeteilt, und das wurde mir auch schon früh in der Redaktion erzählt.

Bereits zu Beginn meines Lokaljahres, ich bin gerade bei der Eröffnung einer Ladestation für E-Bikes, sagt der Leiter des Ordnungsamtes zu mir, als ich mich vorstelle: „Ah, wir werden bei der Mess‘ viel miteinander zu tun haben.“ Es sind noch rund drei Monate bis dahin. Ich merke, die Mess‘ ist etwas Besonderes.

 

 

Der Volontär merkt: Die Mess‘ ist für die Nördlinger etwas Besonderes

 

Der Festumzug der Mess'. Foto: Jan-Luc TreumannDie Nördlinger Mess‘ ist ein Volksfest. Aber es ist eben kein normales Volksfest für die Menschen im Ries. Klar, es gibt all das, was es sonst auch überall gibt: Autoscooter, gebrannte Mandeln, Bierzelt et cetera. Aber schon Wochen vor Beginn ist die Mess‘ Thema, und in diesem Jahr noch mehr, immerhin gibt es ein Jubiläum: Vor 800 Jahren wurde die Mess‘ das erste Mal urkundlich erwähnt. Was genau dieses Fest für die Menschen in Nördlingen bedeutet, ist für jemanden von außen nicht so leicht zu verstehen, doch dass es hier wichtig ist, das merkt man schon.

 

Die Wildecker Herzbuben in Nördlingen. Foto: Jan-Luc TreumannMess‘ bedeutet für mich als Volontär Berichterstattung und zwar das volle Programm. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nichts über das Fest schreibe: Wie läuft es beim Aufbau, Atmosphäre am ersten Tag einfangen, vom Festumzug berichten, der ins Wasser fällt. Kurz bevor es losgeht, öffnet der Himmel seine Schleusen, es schüttet.  Nach etwa zehn Minuten lässt der Regen nach, der Umzug findet doch noch statt. Manche Themen sind vielleicht auf den ersten Blick nicht spektakulär (wie die Versammlung der Schausteller und Kaufleute) – aber dennoch interessant. Andere bringen einen an persönliche musikalische Grenzen (wie der Seniorennachmittag mit den Wildecker Herzbuben). Aber es ist schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, schunkeln und begeistert mitsingen. Ach, Herzilein.

Der Volontär arbeitet beim Autoscooter mit

Für kurze Zeit durfte der Volontär auch einmal hinter die Kasse. Foto: Szilvia Iszó Dann ist da der Besuch bei den Markthändlern, die teilweise seit Jahrzehnten zur Mess‘ gehen und doch immer wieder Neues erleben (wie Kunden, die schwarze Gardinen benötigen).
Und mein persönlicher Abschluss vor dem Urlaub, meine Reportage.

Einen halben Tag arbeite ich bei einem der Fahrgeschäfte mit, beim Autoscooter. Ich habe vielleicht nicht ganz so viel zu tun wie ursprünglich gedacht. Aber ich erlebe einen spannenden Tag, auch wenn ich mir fast über den Fuß fahre.

Ich kriege Einblicke in das Leben der Schausteller. So ging ein Volksfest zu Ende, das für die Nördlinger eine außergewöhnliche Bedeutung hat. Aber auch für mich war es etwas ganz Besonderes.

 

Schließlich darf der Volontär auch einmal selbst an Steuer. Foto: Szilvia Iszó