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Jeden Tag ein Abenteuer

Ein Volo macht den Abflug

Links Flugbeobachter Siegfried Möst, der den Stützpunkt der Luftrettung in Illertissen leitet, und rechts Florian Dollinger, der ausgebildeter Flugbeobachter ist. Foto: Jonathan Mayer

Als Volontär der Augsburger Allgemeinen bin ich es gewohnt, mich in vielen verschiedenen Themengebieten auszuprobieren. Von Porträts über Punk-Rock-Bands bis zu Dorfläden auf vier Rädern war bisher vieles dabei. Dass ich einmal in einem Kleinflugzeug hoch oben über Schwaben nach Waldbränden Ausschau halten würde, hätte ich zu Beginn des Volontariats an der Günter Holland Journalistenschule aber nicht gedacht.

Auf dem Flugplatz in Illertissen ist es heiß. 32 Grad hat es heute. Ich stehe vor der Start- und Landebahn und warte. Wären da nicht der Windanzeiger und die kleinen Flugzeuge, könnte man die Strecke für eine gut gemähte Wiese halten. Langsam breitet sich in meinem Magen ein eher ungutes Gefühl aus. War das wirklich eine gute Idee?

Eigentlich freue  ich mich seit Tagen auf den Termin. Für die Illertisser Zeitung, meine Heimatausgabe der Augsburger Allgemeinen will ich eine Reportage über die Flugbeobachter am Stützpunkt in Illertissen schreiben. Die waren im Sommer regelmäßig in der Luft über Südschwaben unterwegs, um nach Waldbränden Ausschau zu halten. Warum ich mich so freue? Weil ich noch nie in einem Kleinflugzeug geflogen bin. Außerdem wird das hier meine erste Multi-Media-Reportage. Mit  Block, Kamera und Handy stehe ich also bereit. Doch unser Abflug verzögert sich. Und je länger ich hier in der Hitze warte, desto nervöser werde ich. Was erwartet mich in dem kleinen Flieger eigentlich? Nun, gleich werde ich es erfahren. Der Pilot gibt mir das Kommando, ich steige über den Flügel in die Maschine, quetsche mich auf die Rückbank und los geht’s.

Blick auf ein brennendes Landwirtschaftsgebäude bei Kaufbeuren. Foto: Philipp von Criegern

Nach dem Start dauert es knapp zehn Minuten – dann wird mir übel

Nach einem holprigen Start über die als Landebahn getarnte Wiese geht es hoch in die Luft. In gerade einmal 300 Metern Höhe fliegen wir über den Süden Schwabens. Die beiden Beobachter sitzen vor mir und suchen den Boden nach allem ab, was nach einer Rauchwolke aussehen könnte. Ich indes versuche, souverän zu wirken und bin eigentlich ganz froh, dass mich hier hinten niemand sieht. Schließlich sind meine zwei Begleiter mit Feuersuchen beschäftigt.  Das ständige Ruckeln und die Luftlöcher machen mir das Souverän-Wirken jedoch zunehmend schwer. Wie eine Achterbahnfahrt hatte ich mir das hier eigentlich nicht vorgestellt. Doch meine Bemühungen sind umsonst. Mir wird übel. Ich suche also eine Ablenkung. Denn schon als Kind habe ich bei langen Autofahrten gelernt: Wenn dir schlecht wird, beschäftige dich irgendwie. Baldriantropfen habe ich ja leider gerade nicht parat. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich ja nicht  zum Spaß hier bin (zumindest nicht nur) und ich fange an, Fotos und Videos zu schießen. Und tatsächlich: Es hilft. Mein Magen beruhigt sich.

Einen Brand finden wir nicht, dafür gibt es aber wilde Flugmanöver

Wir fliegen von Illertissen nach Süden ins Allgäu und in den Norden bis zur Donau. Von dort oben lerne ich als Volontär in der Fremde die Gegend von ganz anderen Seiten kennen. Trotz meines anfänglichen Unbehagens genieße ich die Aussicht und fange an, selbst nach Rauchsäulen Ausschau zu halten. Sechs Augen sehen ja bekanntlich mehr als vier. Knapp 50 Minuten sind wir in der Luft. Immer wieder sehen wir am Boden kleine Staubwolken von Landmaschinen. Ein Feuer finden wir nicht. Trotzdem lässt es sich der Pilot nicht nehmen, mir einige Manöver zu zeigen, die er fliegen müsste, wenn er die Helfer der Feuerwehr zu einem Brand in einem Wald lotsen müsste. Er fliegt drei, vier sehr steile Kurven, sodass sich das Flugzeug senkrecht zum Boden neigt. Gleichzeitig breitet sich in meinem Magen wieder dieses ungute Gefühl aus. Aber ich habe Glück. Der Pilot zeigt Erbarmen und lenkt die Maschine wieder in Richtung Illertissen.

Nach der Landung fahre ich – immer noch leicht zitternd – zurück in die Redaktion und sichte die knapp 120 Bilder auf der Kamera plus Videos auf meinem Handy. Wie die geworden sind und was es mit den Luftbeobachtern auf sich hat, lest ihr hier.