Kategorie: Jeden Tag ein Abenteuer

Jeden Tag ein Abenteuer

Volontärin genießt das Korrespondentenleben in München

Maria Heinrich, Volontärin im zweiten Jahr, verbrachte einen Monat in München als Korrespondentin der Augsburger Allgemeinen. Foto: Maria Heinrich

Zur Ausbildung im zweiten Jahr der Volontäre der Günter Holland Journalistenschule gehören viele verschiedene Stationen in unterschiedlichen Ressorts. Ein besonderes Highlight ist der Monat im Korrespondenten-Büro in München.

Zu der Ausbildung im zweiten Jahr der Volontäre der Günter Holland Journalistenschule gehören viele verschiedene Stationen in unterschiedlichen Ressorts. Zum
Beispiel in der Digital-Redaktion, im Sport, beim Radio oder Fernsehen. Ein ganz besonderes Highlight ist der Monat im Korrespondenten-Büro in München. Dort arbeitet der Kollege Uli Bachmeier, im gleichen Büro sitzen außerdem Henry Stern von der Main-Post und Roland Englisch von den Nürnberger Nachrichten. Die Räume liegen direkt in der Nähe des Bayerischen Landtags und wenn man aus dem Bürofenster blickt, kann man sogar die goldene Spitze des Friedensengels erkennen.

München bietet für die Volontäre die Gelegenheit, viele bunte Themen zu bearbeiten, auf viele Termine zu gehen und das politische Geschehen in Bayern direkt kennenzulernen. Ich streifte für eine Seite-3-Recherche über den Münchner Hauptbahnhof, befragte Münchner Bürger über antisemitische Vorfälle, berichtete über die Probleme mit E-Scootern und traf den 21-jährigen Felix Finkbeiner, der vor zwölf Jahren die Umweltschutz-Organisation Plant for the Planet gegründet hat.

Der Landtag pausiert, die Augsburger Volontärin arbeitet

Weil im August der Bayerische Landtag Sitzungspause hat und die Abgeordneten alle im Urlaub sind, bekam ich leider nicht so viel vom politischen Geschehen mit. Uli Bachmeier nahm mich deshalb zu vielen Interviews mit, zum Beispiel mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und CSU-Generalsekretär Markus Blume. Ich konnte mir von ihm das ein oder andere abschauen. Außerdem gab er mir viele hilfreiche Tipps zu dem Umgang mit Spitzenpolitikern und den ein oder anderen Trick für die Recherche. Besonders interessant war für mich eine Pressekonferenz der Münchner Polizei. Dort sprach auch der bekannte Pressesprecher Marcus da Gloria Martins, der vor ein paar Jahren während des Amoklaufs in München die gesamte Kommunikations-Strategie leitete und den ich schon immer mal persönlich kennenlernen wollte.

Die Volontäre können Münchens Schmankerl auskosten

Eine schöne Abwechslung war es außerdem, für einen Monat das Kantinenessen in der Augsburger Zentrale gegen das kulinarische Angebot im Münchner Lehel zu tauschen. Kein fader Brokkoli mit einer unidentifizierbaren weißen Soße drauf – stattdessen ging es mittags zum Inder, zum Afghanen oder in den Biergarten – herrlich! Beim Durchsehen der Bilder, die ich im München Monat so mit dem Smartphone aufgenommen habe, ist mir außerdem eine weitere Sache aufgefallen. Offensichtlich war ich sehr angetan von den vielen süßen Hunden in U- und S-Bahn. Zwischen Fotos von den vielen offiziellen Presseterminen habe ich immer wieder einen Schnappschuss mit Hündchen entdeckt. Wie niedlich. 

Jeden Tag ein Abenteuer

Kein normales Volksfest: die Nördlinger Mess‘

Der Volontär parkt Autoscooter ein. Foto: Szilvia Iszó

Du bist Mess‘-Beauftragter, hat die Redaktion gesagt. Geh´ mal Temperatur messen, hat die Redaktion gesagt. Und so stehe ich an einem der heißesten Tage im Juni, die 30-Grad-Celsius-Marke ist längst überschritten, auf dem Gelände des Nördlinger Volksfestes, laufe von einem Würstchenstand zum nächsten und messe die Temperaturen, die es über dem Grill hat – und […]

Du bist Mess‘-Beauftragter, hat die Redaktion gesagt. Geh´ mal Temperatur messen, hat die Redaktion gesagt. Und so stehe ich an einem der heißesten Tage im Juni, die 30-Grad-Celsius-Marke ist längst überschritten, auf dem Gelände des Nördlinger Volksfestes, laufe von einem Würstchenstand zum nächsten und messe die Temperaturen, die es über dem Grill hat – und das als Vegetarier.

Meine Redaktionsleiterin hat mich gefragt, ob das okay für mich ist, ob es mir etwas ausmacht. Es ist kein Problem, ich esse die berühmten Mess‘-Würste ja nicht. So stehe ich dann vor den Grillbuden und halte die Messnadel des Thermometers über die Würste. Die Zahlen auf der Temperaturanzeige steigen und steigen, sie steigen auf bis zu 169 Grad. Und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Grill klagen nicht einmal.

Das Gelände der Nördlinger Mess'. Foto: Jan-Luc Treumann

Die Nördlinger Mess‘ zu betreuen, ist meine Aufgabe als Volontär, das hatte mir mein Vorgänger schon mitgeteilt, und das wurde mir auch schon früh in der Redaktion erzählt.

Bereits zu Beginn meines Lokaljahres, ich bin gerade bei der Eröffnung einer Ladestation für E-Bikes, sagt der Leiter des Ordnungsamtes zu mir, als ich mich vorstelle: „Ah, wir werden bei der Mess‘ viel miteinander zu tun haben.“ Es sind noch rund drei Monate bis dahin. Ich merke, die Mess‘ ist etwas Besonderes.

 

 

Der Volontär merkt: Die Mess‘ ist für die Nördlinger etwas Besonderes

 

Der Festumzug der Mess'. Foto: Jan-Luc TreumannDie Nördlinger Mess‘ ist ein Volksfest. Aber es ist eben kein normales Volksfest für die Menschen im Ries. Klar, es gibt all das, was es sonst auch überall gibt: Autoscooter, gebrannte Mandeln, Bierzelt et cetera. Aber schon Wochen vor Beginn ist die Mess‘ Thema, und in diesem Jahr noch mehr, immerhin gibt es ein Jubiläum: Vor 800 Jahren wurde die Mess‘ das erste Mal urkundlich erwähnt. Was genau dieses Fest für die Menschen in Nördlingen bedeutet, ist für jemanden von außen nicht so leicht zu verstehen, doch dass es hier wichtig ist, das merkt man schon.

 

Die Wildecker Herzbuben in Nördlingen. Foto: Jan-Luc TreumannMess‘ bedeutet für mich als Volontär Berichterstattung und zwar das volle Programm. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nichts über das Fest schreibe: Wie läuft es beim Aufbau, Atmosphäre am ersten Tag einfangen, vom Festumzug berichten, der ins Wasser fällt. Kurz bevor es losgeht, öffnet der Himmel seine Schleusen, es schüttet.  Nach etwa zehn Minuten lässt der Regen nach, der Umzug findet doch noch statt. Manche Themen sind vielleicht auf den ersten Blick nicht spektakulär (wie die Versammlung der Schausteller und Kaufleute) – aber dennoch interessant. Andere bringen einen an persönliche musikalische Grenzen (wie der Seniorennachmittag mit den Wildecker Herzbuben). Aber es ist schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, schunkeln und begeistert mitsingen. Ach, Herzilein.

Der Volontär arbeitet beim Autoscooter mit

Für kurze Zeit durfte der Volontär auch einmal hinter die Kasse. Foto: Szilvia Iszó Dann ist da der Besuch bei den Markthändlern, die teilweise seit Jahrzehnten zur Mess‘ gehen und doch immer wieder Neues erleben (wie Kunden, die schwarze Gardinen benötigen).
Und mein persönlicher Abschluss vor dem Urlaub, meine Reportage.

Einen halben Tag arbeite ich bei einem der Fahrgeschäfte mit, beim Autoscooter. Ich habe vielleicht nicht ganz so viel zu tun wie ursprünglich gedacht. Aber ich erlebe einen spannenden Tag, auch wenn ich mir fast über den Fuß fahre.

Ich kriege Einblicke in das Leben der Schausteller. So ging ein Volksfest zu Ende, das für die Nördlinger eine außergewöhnliche Bedeutung hat. Aber auch für mich war es etwas ganz Besonderes.

 

Schließlich darf der Volontär auch einmal selbst an Steuer. Foto: Szilvia Iszó

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Volontär tauscht Bürostuhl gegen Fahrradsattel

Von der Bergkapelle in Erolzheim hat man einen tollen Ausblick. Foto: Dominik Stenzel

Für ein paar Stunden durfte ich kürzlich meinen Bürostuhl gegen den Sattel meines Rennrads tauschen. Der ist zwar nicht unbedingt bequemer – einen halben Arbeitstag in der freien Natur zu verbringen, war trotzdem eine verlockende Abwechslung.

Für ein paar Stunden durfte ich kürzlich meinen Bürostuhl gegen den Sattel meines Rennrads tauschen. Der ist zwar nicht unbedingt bequemer – einen halben Arbeitstag in der freien Natur zu verbringen, war trotzdem eine verlockende Abwechslung. Denn für die Illertisser Zeitung, dort verbringe ich als Volontär der Günter Holland Journalistenschule derzeit mein Lokaljahr, habe ich an der Radlmit-Serie der Augsburger Allgemeinen mitgewirkt: Jede Lokalredaktion steuert eine Radtour bei, die dann in der Zeitung dokumentiert wird,  wobei der Bericht im kommenden Jahr auch im mittlerweile dritten Radlmit-Führer erscheinen soll.

Bade-, Einkehr- oder Rastmöglichkeiten sollten auf der Route liegen, ansonsten hatte ich bei der Planung alle Freiheiten. Da man es von Illertissen nicht weit nach Baden-Württemberg hat, sollte es auch über die bayerische Landesgrenze hinausgehen. Nach dem Motto: durch zwei Bundesländer und drei Landkreise.

Tour führt durch zwei Bundesländer und drei Landkreise

Bei strahlendem Sonnenschein startete ich pünktlich um 9.30 Uhr  – mit einer dicken Schicht Sonnencreme auf der Haut und meiner Kamera ausgerüstet. Schließlich soll die Rundfahrt dem Leser später mit eindrucksvollen Bildern schmackhaft gemacht werden. Vom Illertisser Marktplatz ging es über wenig befahrene Nebenstraßen in Richtung Unterallgäu, genauer gesagt nach Babenhausen. Alle Ecken unseres Verbreitungsgebiets kenne ich natürlich auch nach den ersten fünf Monaten noch nicht, und so gab es schon auf den ersten Kilometern viel Neues zu entdecken. Beispielsweise ein Biotop in Osterberg, das nur so von Fröschen und Insekten wimmelt.

Das Fuggerschloss in Babenhausen. Foto: Dominik Stenzel

Nach einem Zwischenstopp in Babenhausen – inklusive eines Fotos des berühmten Fuggerschlosses – ging es weiter nach Kellmünz. Die dortige Brücke über die Iller wird momentan saniert und ist teilweise gesperrt, auch in der Illertisser Zeitung waren die Bauarbeiten schon öfters Thema. Mein Rad musste ich deswegen in den baden-württembergischen Landkreis Biberach tragen und schieben. Ein Glück, dass Rennräder relativ leicht sind.

Auch bei Run Bike Rock trat der Volontär in die Pedale

Das Highlight meiner Tour sollte die Aussicht von der Bergkapelle in Erolzheim sein. Zu der ging es steil hinauf, die Anstrengungen haben sich jedoch gelohnt:  Oben angekommen hat man einen wunderbaren Panoramablick auf die Alpenkette. Danach wurden die Beine langsam schwerer und meine Pläne etwas durcheinandergewirbelt. Als Bademöglichkeit hatte ich mir ein Waldbad in Kirchberg auserkoren, zu diesem führt aber ein ziemlich steiniger Feldweg. Mit meinen dünnen Rennrad-Reifen hatte ich keine Chance, dort hinzukommen. Stattdessen ging es eben an die Filzinger Badeseen.

Zurück in Illertissen zeigte mein Tacho eine Distanz von 70 Kilometern an. Ganz so weit wird die Tour in Zeitung und Radl-Führer wohl nicht sein, denn ein paar Mal bin ich als nicht-Ortskundiger schon falsch abgebogen und musste so zusätzliche Meter zurücklegen. Dennoch: Meine Rundfahrt hat großen Spaß gemacht.

Im Zuge meines Volontariats durfte ich übrigens schon einmal in die Pedale treten: beim Benefiz-Sportevent Run Bike Rock, der Ende Mai in Illertissen stattfand, nahm ich am Fahrradrennen teil und konnte so mitten aus dem Geschehen berichten. 39 Kilometer ging es über einen abgesperrten Rundkurs zwischen Illertissen und Buch. Und danach in die Redaktion, um die frischen Eindrücke für die Leser festzuhalten.

Vor dem Start des Fahrradrennens bei Run Bike Rock. Foto: Dominik Stenzel