Kategorie: Jeden Tag ein Abenteuer

Jeden Tag ein Abenteuer

Volontär macht jetzt Fernsehen

Meine Volontärs-Betreuerin Simone Bronnhuber beim Videodreh. Foto: Stefanie Sayle

Ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen findet ein Jahr in einer Lokalredaktion statt. Um zukünftigem Nachwuchs zu zeigen, dass Lokaljournalismus mehr ist, als nur Kaninchenzüchter zu besuchen und Hände zu schütteln, gibt es bald einen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Das Leben eines Lokaljournalisten glitzert nur so vor Glamour – Händeschütteln mit dem neuen Stadtpfarrer, Fotografieren des schönsten Kaninchens im Landkreis und abends ein Video vom Auftritt der örtlichen Blaskapelle. Spaß beiseite: Lokaljournalismus ist ein vielfältiger und anspruchsvoller Beruf, der stressresistente und aufgeschlossene Journalisten braucht. Und 2018 fordert er nebenbei noch eine Prise digitaler Kompetenzen – WhatsApp, Facebook und Co. wollen bedient sein. Und unter anderem darum geht es in einem neuen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Ein zweites Bewerbungsgespräch für den Volontär der Augsburger Allgemeinen

Er wird zukünftig Schulklassen und anderen Besuchergruppen der Zeitung gezeigt und wurde in der Lokalredaktion Dillingen gedreht. Meine Wenigkeit durfte dabei sein. In einem Gespräch mit Stefanie Sayle, der Geschäftsführerin der Medien Akademie Augsburg, sollte ich meine Entscheidung, Journalist zu werden, darlegen. Im Vorfeld erhielt ich ein Skript mit drei Fragen, auf die ich meine Antworten beinahe auswendig lernte – nur um dann zu improvisieren. Um es nicht zu einfach zu machen, waren während des Gesprächs zwei Kameras auf uns gerichtet – in die wir keinesfalls blicken durften. Und ja nicht verhaspeln, zu schnell reden oder zu gestelzt (gerade letzteres beherrsche ich ausgezeichnet, sofern ich das wünsche). Nachdem das Bewerbungsgespräch mit Frau Sayle erneut, wie im Juli während des Bewerbertags für das Volontariat, glatt über die Bühne ging, begleiteten  Kameras die gesamte Redaktion während der Morgenkonferenz. Eine Stunde angestrengt in keine Linse blicken oder auf Kommando zu lachen, machte diese Konferenz zu einer besonderen Herausforderung. Immer wieder gab es Unterbrechungen, musste dieser Satz wiederholt oder jener Blick in die Kamera geworfen werden.

Entspannung findet der Volontär beim Jahresgespräch

Anschließend entließ uns das Filmteam erneut in die unbeschwerte Welt journalistischen Arbeitens – bis auf meine Volo-Betreuerin, Simone Bronnhuber. Sie verbrachte ihren Arbeitstag damit, zukünftige Zuschauer mit auf eine Reise durch den Arbeitsalltag im Lokalen zu nehmen. Landrat und Oberbürgermeister interviewen, bei einem Unfall vor Ort sein – Termine und Ereignisse, die jeder von uns Volontären kennt. Für mich stand an diesem Tag ein weiterer Termin der besonderen Art an: Das Jahresgespräch mit Frau Sayle. Völlig entspannt, ohne künstliches Lachen, ohne Drehbuch.

Jeden Tag ein Abenteuer

Am Wahlabend aus der ersten Reihe berichten

Die drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen im bayerischen Landtag: Stephanie Lorenz, Denis Dworatschek und Judith Roderfeld (von links). Foto: Julian Burmann

Drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen erleben im bayerischen Landtag hautnah mit, wie eng Glück und Leid zusammen liegen – und wie Journalisten live darüber berichten

Versteinerte Gesichter. Stille. Einige Anhänger der SPD kämpfen sogar mit den Tränen. Gerade eben wurden die ersten Prognosen der bayerischen Landtagswahl auf dem großen Fernseher gezeigt. Magere zehn Prozent erreichen die Genossen. In einem anderen Raum herrscht dagegen grenzenlose Begeisterung. Die Grünen feiern ausgelassen ihr starkes Ergebnis. So eng liegen Glück und Leid zusammen – und mittendrin sind an diesem Wahlabend drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen.

Sie filmen, interviewen und fotografieren. Dann schreiben sie noch ein oder zwei Zeilen dazu – und schon steht das Ganze live im Internet. Um sich im Labyrinth des bayerischen Landtages zurecht zu finden, zeigt ihnen vorab Uli Bachmeier alle wichtigen Räumlichkeiten. Der München-Korrespondent schüttelt dabei mal hier und da eine Hand, gibt wertvolle Tipps, worauf die Drei achten sollen und wer für die Bewirtung im Landtag zuständig ist.

Viel Austausch zwischen den Medienvertretern

Zwischen all den Medienvertretern kann es auch mal ruppig werden. Und die drei Volontäre müssen ihre Ellenbogen einsetzen, um sich durch die Mengen zu kämpfen. Dabei kann es manchmal nicht schaden, einfach durch den Landtag zu laufen und sich mal eine kurze Auszeit zu gönnen. Wie durch Zufall laufen einem dann vielleicht der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl über den Weg oder die SPD-Kandidatin Natascha Kohnen. Im Gespräch mit anderen Medienvertretern erfährt man so manche wichtige Information. Wann kommt wer wo hin.

Im Steinernen Saal im bayerischen Landtag tummeln sich verschiedene Medienvertreter. Alle warten auf die ersten Hochrechnungen. Foto: Denis Dworatschek

Nach gut drei Stunden tickern, lösen sich nach und nach die einzelnen Wahlveranstaltungen der Parteien auf. Die Anhänger gehen entweder enttäuscht nach Hause oder feiern noch bis spät in die Nacht auf den Wahlpartys. Für die Fernsehteams ist dann auch meistens Schluss. Im Foyer, wo ein großes Buffet aufgebaut ist, findet man sie beim Diskutieren, Trinken und Essen. Die Zeitungsjournalisten dagegen hacken wie wild auf ihre Laptops ein, der baldige Andruck sitzt ihnen im Nacken.

Im Erdgeschoss des bayerischen Landtag ist ein großes Buffet aufgebaut. Foto: Denis Dworatschek

Jeden Tag ein Abenteuer

Doppelt gelohnt, zweifacher Spaß

Endspurt kurz vor dem Ziel in Mittelneufnach: Volontärin Maria Heinrich zusammen mit ihrer Hündin Emma.

GHJS-Volontärin hatte das Glück, auf zwei Recherche-Termine ihre Hündin Emma mitzunehmen.

Morgens, wenn ich aus der Tür gehe, dann blickt sie mir mit traurigen Kulleraugen hinterher. Am Abend, wenn ich aus der Redaktion nach Hause komme, wedelt der Schwanz vor Freude durch die Luft. Meine Hündin Emma hat sich mittlerweile vollkommen auf meinen Alltag als Volontärin an der GünterHollandJournalistenschule eingestellt und sich meinem Tagesrhythmus angepasst. Umso größer war für mich deshalb die Freude, als Emma mich auf zwei Redaktions-Termine begleiten durfte.

Ich volontiere derzeit in der Redaktion Augsburger Allgemeine Land in Gersthofen. Dort erscheinen immer wieder Serien. Jedes Jahr im Frühjahr testen die Redakteure zum Beispiel verschiedene Sportarten und berichten den Lesern von ihren Erfahrungen. „Fit wir ein Turnschuh“ nennt sich das Projekt. Weil Emma ein absolut energiegeladenes Hündchen ist, habe ich vorgeschlagen, mit ihr gemeinsam die Hundesportart Agility auszuprobieren. Dabei muss der Hund verschiedene Hürden überwinden, zum Beispiel über eine Wippe gehen oder durch einen Tunnel krabbeln. Der Mensch marschiert immer mit und gibt seinem Tier die Kommandos.

Fit wie ein Turnschuh: Volontärin Maria Heinrich beim Hundesport mit ihrer Hündin Emma.

Bei uns lief das ein wenig anders, als ich mir das vorher vorgestellt hatte: Emma ist im Affenzahn über die Hürden gehopst, über die Stäbe durch die Luft geflogen und durch den Hundetunnel gerast (siehe Bilder). Runde für Runde wurde sie schneller und kletterte mühelos über eine steile Wand und die Wippe.

Fit wie ein Turnschuh: Volontärin Maria Heinrich beim Hundesport mit ihrer Hündin Emma.

Ich dagegen bin kaum hinterhergekommen. Emma war mir immer ein Hindernis voraus, sodass das mit den Kommandos nicht ganz funktioniert hat. Nach fünf Minuten hatte ich bereits Seitenstechen und war am Keuchen. Doch es hat mir Freude bereitet, weil Emma beim Herumrasen so viel Energie zeigte. Ein lustiger Termin, der mit Emma doppelt  Spaß gemacht hat.

Sportlich ging es auch bei unserem zweiten gemeinsamen Termin zu. In der Redaktion betreuen die Redakteure die sogenannte Grenzgänger-Serie. Dabei läuft jeder Autor eine Strecke entlang der Landkreisgrenze, bis das Gebiet insgesamt einmal umrundet ist. Es geht vor allem darum, auf seinem Weg Geschichten aus der Umgebung zu finden und die Leute vor Ort kennenzulernen. Für meine sieben Kilometer lange Wanderung hat es sich natürlich angeboten, Emma auch dieses Mal mitzunehmen (siehe Video).

Es war ein richtig heißer Tag. Obwohl wir schon um halb acht in der Früh losgelaufen sind, hatte es bald über 30 Grad. Emma hat tapfer durchgehalten und wurde auf dem Weg von den Einheimischen ganz lieb mit viel Wasser und noch mehr Streicheleinheiten umsorgt. Sie war wie ein Türöffner zu den Leuten und den Geschichten. Da hat es sich doppelt gelohnt, sie auf meine Wanderung mitzunehmen. Denn zu zweit läuft es sich einfach viel schöner.

Im Augsburger Landkreis unterwegs: Maria Heinrich auf dem Weg von Walkertshofen nach Mittelneufnach – mit dabei Hündin Emma.