Kategorie: Fliegendes Klassenzimmer

Fliegendes Klassenzimmer

Volontäre in den Bergen: Frühstück mit Aussicht auf Huhn

Die Volontäre der Augsburger Allgemeinen, der Allgäuer Zeitung und der Main-Post. Foto: Stefanie Sayle

Einmal im Jahr treffen die Volontäre der Augsburger Allgemeinen, der Allgäuer Zeitung und der Würzburger Main-Post für zwei Tage zusammen, um sich kennenzulernen, sich auszutauschen und um Einblicke in die jeweils anderen Medienhäuser und Regionen zu gewinnen. In diesem Sommer reisten die Unterfranken nach Schwaben – mit Komplikationen.

Einmal im Jahr treffen die Volontäre der Augsburger Allgemeinen, der Allgäuer Zeitung und der Würzburger Main-Post für zwei Tage zusammen, um sich kennenzulernen, sich auszutauschen und um Einblicke in die jeweils anderen Medienhäuser und Regionen zu gewinnen. In diesem Sommer reisten die Unterfranken nach Schwaben – mit Komplikationen.

Raus aus dem spannenden, bisweilen aber auch hektischen Alltag in der Redaktion und hinauf in die Ruhe der Berge: Die Volontäre fuhren unter anderem ins Allgäu. Und sie kamen alle zusammen – Augsburger Jungvolos aus den Lokalredaktionen, Augsburger Altvolos aus dem Mantel, die Volontäre der Allgäuer Zeitung sowie die der Main-Post aus Würzburg. Die Allgäuer stießen erst in Immenstadt zu uns, unsere Kollegen aus Würzburg kamen direkt nach Augsburg und sollten  persönliche Einblicke in das Medienunternehmen gewinnen. Doch die Bahn brachte sie um dieses Erlebnis: Verspätungen, verpasste Anschlusszüge, sie schafften es erst bis zum Mittagessen.

Die Volontäre sehen sich die Augsburger Puppenkiste an

So trafen wir uns also mit den Volontären aus Würzburg am Mittag im Brauhaus Riegele – immerhin schaffte es die Bahn, sie schließlich doch noch nach Augsburg zu bringen. Ein Mittagessen zur Stärkung vor der Fahrt und dem Aufstieg, doch ein Zwischenstopp stand noch an:  das Museum der Augsburger Puppenkiste. Wir erfuhren, was die Puppen so besonders macht (Polsternägel als Augen), wieso es keine Jim-Knopf-Aufführung in der Puppenkiste gibt (reine Fernsehproduktion – für die Bühne viel zu aufwendig), und ein paar Volos durften auch mal eine der Marionetten zum Laufen bringen (sieht leichter aus, als es ist).

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg nach Immenstadt. Sehnsüchtige Blicke aus dem Bus trafen auf den Alpsee. Gedanklich sprangen wir ins kühle Nass – stattdessen: Aufstieg zur Alpe Obere Kalle. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius. Mit kollektivem Geschnaufe gingen diejenigen von uns, die sich nicht für den Sessellift entschieden hatten (was bei solchen Temperaturen durchaus empfehlenswert ist) hinauf.

Auf dem Weg zur Alpe kamen die Volontäre auch an Kühen vorbei. Foto: Jan-Luc Treumann

Auf dem Weg nach oben begutachtete uns eine Gruppe Kühe – und wer nicht schnell genug war, durfte sich von einer von ihnen übers Gesicht lecken lassen – beim Aufstieg schmeckt ein Volontär ja schön salzig. Und so manche Kuh fand so manchen Volo gleich so nett, dass sie ihn mit nach oben begleiten wollte, doch sie durfte nicht. Tierisch ging es oben weiter. Schließlich ist die Alpe Obere Kalle eine sogenannte Jungviehalpe: Die Volos konnten Schweine, Hühner, Gänse, Kühe, Esel und Hasen‎ begutachten – oder wurden begutachtet. 

 

 

Bernhard Gomm erzählt den Volontären vom Leben als Hüttenwirt

Auch auf der Alpe gab es Tiere. Foto: Jan-Luc Treumann

Nachdem der Großteil der Gruppe wieder zu Atem gekommen war, ging es atemberaubend weiter: mit dem Ausblick. Berge, grüne Wiesen, so mancher Volontär überlegte gar kurz, ein Leben als Hüttenwirt zu beginnen. Von diesem erzählte uns Bernhard Gomm, der die Alpe betreibt. So holt er beispielsweise das Bier einer kleinen Brauerei selbst ab, weil diese zu wenig Personal hat, um es ihm auf die Hütte zu bringen.

An der Alpe selbst habe er – abgesehen von Investitionen in Technik und Wasser – wenig verändert, sie sei immer noch so wie vor einigen Jahrzehnten, als er die Hütte übernommen hat. Den Abend ließen ein paar sangesfreudige Volontäre schließlich gemütlich ausklingen.

 

 

 

Gemütlich ausschlafen stand nicht auf unserem Programm – um acht Uhr gab es Frühstück. Wartete beim Abendessen ein schnatterndes Duo Gänse auf ein paar heruntergefallene Kässpatzen, suchte bei der morgendlichen Mahlzeit ein Huhn nach ein paar Krümeln. Dabei ignorierte es auch die gängigen Knigge-Regeln und spazierte auf dem Frühstückstisch herum. Immerhin schaffte das Huhn es noch kurz in einen übriggebliebenen Fettstreifen eines Schinkenstücks zu picken, bevor eine Mitarbeiterin der Alpe das Tier des Tisches verwies.

Ein Huhn spazierte auf den Frühstückstischen herum. Foto: Jonathan Mayer

Abschließend genossen wir noch einmal die Aussicht vor dem Abstieg. Einige tapfere Volontäre gingen zu Fuß hinunter, während der Großteil eine rasante Abfahrt mittels der Sommerrodelbahn bevorzugte.

Unten wartete bereits der Busfahrer, der die Gruppe ins Medienhaus der Allgäuer Zeitung nach Kempten brachte. Dort erhielten die Volontäre Einblicke in die Druckerei sowie in die Zusammenarbeit der Allgäuer Kollegen mit denen der Augsburger Allgemeinen. Im Anschluss machten sich die Volontäre wieder auf dem Heimweg – dorthin, wo sie eher selten von Kühen abgeleckt werden und Hühner nicht auf dem Frühstückstisch herumspazieren.

 

Auf dem Berg gab es eine tolle Aussicht für die Volontäre. Foto: Jan-Luc Treumann

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Sprachgewaltig statt erfindungsreich

Auf der Kulmbacher Plassenburg. Sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Foto: Christof Paulus

Vier Volontäre der Augsburger Allgemeinen waren in Kulmbach auf einem Seminar. Mit Harald Baumer, dem Leiter des Hauptstadtbüros der Nürnberger Nachrichten, setzten sie sich mit Reportagen auseinander.

Vier Jungvolontäre der Augsburger Allgemeinen haben sich für zwei Wochen aus dem Redaktionsalltag verabschiedet. Zum Seminar der Akademie der Bayerischen Presse sind sie nach Kulmbach gefahren, etwas abgeschieden zwischen Fränkischer Schweiz und Fichtelgebirge. Mit Volontärskollegen anderer Zeitungen haben sie Seminare zu Nachrichten, Online-Journalismus oder Redigieren besucht. Im Seminar mit Harald Baumer, dem Leiter des Hauptstadtbüros der Nürnberger Nachrichten, setzten sie sich mit Reportagen auseinander.

Reportagen bringen uns dazu, vom Schreibtisch aufzustehen, das Geschehen selbst zu begutachten und auf Menschen zuzugehen. Oder anders gesagt: Reportagen  erfordern es, dass wir den Leser ganz nah ans Geschehen heranbringen. Das ist es, was die Textgattung so beliebt macht, bei Lesern wie Journalisten selbst. Um den Teilnehmern zu vermitteln, wie man eine Reportage möglichst gut umsetzt, war Harald Baumer als Referent zu Gast bei der Akademie der Bayerischen Presse.

Doch das Image der Reportage als Königin der Darstellungsformen bekommt in letzter Zeit immer wieder Risse. Nicht erst der Skandal um gefälschte Passagen in Texten von Claas Relotius hat gezeigt, wie leicht man bei der Suche nach der perfekten Geschichte zu weit gehen kann, ohne dass den Lesern dies auffällt. Dabei stellen doch genau solche Skandale die Glaubwürdigkeit der Textgattung und des ganzen Berufes besonders infrage. Baumer war es deshalb auch wichtig, den Seminarteilnehmern klar die Grenzen ihrer Freiheit als Autoren zu zeigen.

Volontäre der Augsburger Allgemeinen beim Seminar in Kulmbach: Reportagen kamen gut an

So konnten die Volontäre ihre Hauptaufgabe während des Seminars gut gerüstet angehen: Denn auf die Theorie folgte selbstverständlich die Praxis. Jeder Teilnehmer begab sich auf Recherche, um eine Reportage zu schreiben. Zum Abschluss des Seminares ließ Harald Baumer die Texte mit allen Teilnehmern besprechen und gab seine eigene Einschätzung ab. Worum es in ihren Reportagen ging, erzählen Tom Trilges und Christof Paulus hier:

Kulmbacher Bratwurstklänge (Tom Trilges)

Spätzle mit Schokokeks (Christof Paulus)

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Volontäre beim Interview-Training: Mal Schweiger, mal Plaudertasche

Tom Trilges interviewt Michael Krawczyk Foto: Christof Paulus

Vier Jungvolontäre der Augsburger Allgemeinen haben sich für zwei Wochen aus dem Redaktionsalltag verabschiedet. Zum Seminar der Akademie der Bayerischen Presse sind sie bis nach Kulmbach gefahren, etwas abgeschieden zwischen Fränkischer Schweiz und Fichtelgebirge. Mit Volontärskollegen anderer Zeitungen haben sie Seminare zu Reportage, Online-Journalismus oder Redigieren besucht. Bei BR-Redakteur Michael Krawczyk ging es darum, jeden Interviewpartner richtig anpacken zu können.

 

Vier Jungvolontäre der Augsburger Allgemeinen haben sich für zwei Wochen aus dem Redaktionsalltag verabschiedet. Zum Seminar der Akademie der Bayerischen Presse sind sie bis nach Kulmbach gefahren, etwas abgeschieden zwischen Fränkischer Schweiz und Fichtelgebirge.

Mit Volontärskollegen anderer Zeitungen haben sie Seminare zu Reportage, Online-Journalismus oder Redigieren besucht. Bei BR-Redakteur Michael Krawczyk ging es darum, jeden Interviewpartner richtig anpacken zu können.

Wenn bei jedem Termin und jedem Telefonat ein Michael Krawczyk gegenüberstünde, könnte der Alltag als Volontär so viel einfacher sein. Seine Antworten sind ausführlich, gespickt mit interessanten Anekdoten und wichtigen Fakten. Dabei schweift er nicht ab, erzählt keine Märchen. Wobei: Wenn die Übung es erfordert, dann kann er das auch, wird Plaudertasche oder Schweiger.

An zwei Tagen des Kulmbacher Seminars der Akademie der Bayerischen Presse schulte Krawczyk vier der Jungvolontäre darin, wie man sich richtig auf ein Interview vorbereitet und es sicher über die Bühne bringt. Das heißt: Journalisten brauchen eine saubere Recherche und Fachwissen zum Interviewthema sowie ein klar definiertes Interviewziel. Das sollte auf dem Notizblatt ganz oben stehen, darunter der Name des Interviewpartners. Denn kaum etwas ist peinlicher, als den Namen des Gegenübers zu vergessen. „Alles schon passiert“, sagt Krawczyk.

Michael Krawczyk verstellt sich beim Interview mit Volontären aus Augsburg

Für den Nachmittag des Tages hatten sich drei Gäste angekündigt, mit denen die Volontäre der Augsburger Allgemeinen und die anderen Seminarteilnehmer ein Interview führen sollten. Und nicht immer ist der Interviewpartner so dankbar und ergiebig wie Michael Krawczyk. Aber auch der kann anders: Im Gespräch mit Tom Trilges und Brigitte Mellert gab sich Krawczyk deshalb als Plaudertasche – freilich nur zur Übung. Im Gespräch mit Max Kramer wurde er stattdessen plötzlich ganz wortkarg, ließ sich seine Antworten geradezu aus der Nase ziehen.

Der Kurs im ABP-Seminar in Kulmbach. Foto: Christof Paulus

Für Trilges, Mellert und Kramer war das sicher eine Herausforderung – aber doch keine, an der sie scheiterten. Letzterer schaffte es, Krawczyk genau dorthin zu treiben, wo er um klare Antworten nicht mehr herumkam. Die anderen beiden konnten seinen Redefluss eindämmen und seine Antworten auf das Wesentliche beschränken. Lob vom Referenten gab es für alle drei.

So wundert es nicht, dass sie beim Interview mit den Gästen nicht nur viel Spaß hatten, sondern ihren Gesprächspartnern einige Informationen entlocken konnten. Thomas Lange etwa, der in Kulmbach an der Gründung eines Brauhauses beteiligt war, sprach mit Max Kramer. Ihm sagte er, dass die fränkische Wirtshauskultur sich verändern werde und doch zugleich noch lange bestehe. Tom Trilges sprach mit Wolfgang Hoderlein, dem früheren Generalsekretär der Bayern-SPD. Der hat sich von der großen Politik inzwischen zurückgezogen – ließ aber schon im Vorgespräch erkennen, wie sehr seine Leidenschaft dafür immer noch brennt.

Volontäre im Interview mit fränkischen Größen aus Politik und Journalismus

Trilges konfrontierte ihn damit, dass er als Politiker oft die Auseinandersetzung gesucht und einige Male auch Parteigenossen offen angegriffen habe – was Hoderlein unumwunden zugab. Er könne austeilen, aber auch einstecken. Persönliche Angriffe müssten eben sein, sonst nähme niemand Notiz von seiner Kritik. Die Berliner Politik hält er für sehr weit von den Bürgern entfernt.

Referent Krawczyk stand bei allen Interviews hinter der Kamera und zeichnete die Gespräche auf. So gab es am nächsten Tag die Gelegenheit, die Interviews im Seminar anzuschauen – und somit die anderen genauso, wie sich selbst. Für Zeitungsjournalisten ist das nicht gerade Alltag, sich selbst bei der Arbeit zuzuschauen. So war immer wieder verlegenes Lachen zu hören, meist von den Interviewern, deren Videos gerade zu sehen waren. Doch gerade das machte die Eindrücke wichtig, gab die Möglichkeit, die eigene Stimme und Körpersprache zu beobachten. So war zu sehen, welchen Eindruck man selbst hinterlässt und wie man auf andere wirkt. Daraus konnte jeder im Seminar seine Schlüsse ziehen – und diese mit in den Alltag in den Lokalredaktionen nehmen.