Kategorie: Fliegendes Klassenzimmer

Fliegendes Klassenzimmer

Live aus dem Curt-Frenzel-Stadion: Volos beim Eishockeyspiel

Beim Spiel der Panther sitzen die Volos in der ersten Reihe. Foto: Leonie Küthmann

Während die Altvolos den ersten Tag in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen bestreiten, besuchen die Jungvolos als Teil des Einführungskurses ein DEL-Spiel der Augsburger Panther. Letztere schreiben zum Spiel einen Übungstext – und als Sportvolontärin im zweiten Jahr kann man sich dann auch einfach mal zurücklehnen.

Manche Dinge passieren eben von einem Tag auf den anderen – gestern Mindelheim, heute Augsburg. Gestern Lokalteil, heute Mantelteil. Und während wir Altvolos, also die im zweiten Ausbildungsjahr, von jetzt auf gleich einer neuen Herausforderung gegenüberstehen, die sich von nun an alle vier Wochen ändert (weil wir ständig die Ressorts wechseln), lernen unsere Nachfolger, die Jungvolos, im Einführungskurs alles, was sie zum Überleben brauchen.

Dazu gehört auch: ein Besuch bei einem Eishockeyspiel der Augsburger Panther mit anschließendem Spielbericht. Genau vor einem Jahr saßen wir, der Jahrgang 2018/19, im Curt-Frenzel-Stadion und haben wachsam ein DEL-Spiel des AEV gegen den EHC Red Bull München verfolgt – natürlich nach vorheriger Einweisung durch den Eishockey-Profi der Augsburger Allgemeinen, Milan Sako.

Teil des Einführungskurses an der Günter Holland Journalistenschule: der Besuch eines Eishockeyspiels

Und wie das eben manchmal so ist, wenn man etwas länger irgendwo arbeitet oder ausgebildet wird: Irgendwann kommt das ein oder andere Privileg vorbei. Man kann es natürlich auch Glück nennen oder einfach dem Kollegen Sako danken, der mir, der aktuellen Sportvolontärin, die Karte am Freitagmittag auf den Schreibtisch gelegt hat – ich durfte mit den Jungvolos, Milan Sako, Andreas Kornes, einem weiteren AZ-Sportredakteur, und der Leiterin der Günter Holland Journalistenschule, Stefanie Sayle, das Spiel des AEV gegen die Nürnberger Thomas Sabo Ice Tigers besuchen.

Teile des Programms: ein Besuch der VIP-Loge, das Spiel, die anschließende Pressekonferenz und ein Besuch der sogenannten Mixed Zone, in der nach dem Spiel Sportler, Funktionäre und Journalisten aufeinander treffen. Gerade die letzten beiden Programmpunkte sind für erfahrene Sportredakteure Routine, als junger – mittlerweile irgendwie halbfertiger – Journalist ist das aber immer noch ein spannendes Erlebnis. Wie läuft eine Pressekonferenz ab? Wie spricht man mit den Spielern? Nachdem ich das Prozedere aus dem Vorjahr schon kannte, wusste ich, dass der Umgang in der Mixed Zone mit den Eishockeyspielern sehr entspannt ist – für die Jungvolos war es aber sicher beeindruckend, die Spieler von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihnen Fragen zu stellen.

Dieses Mal siegten die Augsburger Panther leider nicht

Den Blick von oben lassen sich die Volos nicht entgehen. Foto: Leonie KüthmannLeider konnte das Fazit der AEV-Spieler dieses Mal nicht so positiv ausfallen: Lange hatten die Panther geführt, dann hatte sich das Spiel in den letzten Minuten gedreht – Niederlage gegen Nürnberg. Hierbei sei erwähnt, dass die Spiele der Panther meist positiv ausgehen, wenn die Volos dabei sind – bei uns war das im vergangenen Jahr gegen München übrigens auch der Fall.

Für Milan Sako, der das Spiel aktuell schreiben musste, war das dieses Mal keine besonders angenehme Situation. Die Jungvolos hatten es da etwas entspannter: Ihre Texte sind Übungen und werden nicht veröffentlicht – daher haben sie mehr Zeit, ihre Aufgabe sorgfältig zu erledigen. Und Sorgfalt ist dabei definitiv geboten: Denn wie alle Übungstexte aus dem Einführungskurs besprechen unsere Nachfolger ihre Werke nach einigen Tagen mit Milan Sako und Stefanie Sayle.

Deshalb ist es nur logisch, dass alle Jungvolos eifrig in ihre Blöcke kritzelten, um ja keine Situation auf dem Feld zu vergessen. Ich hingegen konnte mich nach meinem ersten Tag in der Augsburger Zentrale erst einmal zurücklehnen und ein Altvolo-Privileg genießen: einfach nur das Spiel verfolgen. Eine kleine Auszeit nach dem ersten aufregenden Tag im Ressort Sport – kann der erste Tag im Mantel besser sein?

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Rapunzel und die drei kleinen Schweinchen – Märchenstunde oder Bio-Exkursion für Volontäre?

Volontäre der Günter Holland Journalistenschule besuchen die Firma Rapunzel in Legau und den Biohof der Familie Waizenegger und lernen alles über Bio-Siegel, Viehhaltung in Bio-Betrieben und die Geschichte der Firma Rapunzel.

„Dienstags gibt’s vegane Kost“. Nein, ich erzähle gerade niemandem von meinen persönlichen kulinarischen Vorlieben. Ich zitiere lediglich den Satz, an dem ich als Erstes hängen geblieben bin, als wir eine weitere Einladung zu einem Volotag der Günter Holland Journalistenschule erhalten haben. In meinem Redaktionsalltag heißt es nämlich normalerweise: Dienstags gibt es Leberkässemmel. Und mittwochs im Zweifelsfall auch. Aber das ist nebensächlich, denn das eigentliche Thema des Volotags lautete nicht „Wie breche ich die Essgewohnheiten des Mindelheimer Volos“, sondern: Was ist bio? Woran erkennt man’s und wie geht es in Biobetrieben zu? Tatort: die Firma Rapunzel in Legau. Was bei allen Volontären der Augsburger Allgemeinen außer mir für ein Fragezeichen im Gesicht sorgte: Wo ist Legau? Und ein Kollege fragte sogar: „Rapunzel?“ Da aber kamen dann von allen anderen prompt Antworten zurück: „Hallo?! Rapunzel! Samba-Creme! Kennt man doch…“

Ausflugsziel der Volontäre: Die Firma Rapunzel in Legau

Ja, die Firma aus dem Unterallgäu hat sich seit Jahren einen Namen als Hersteller von Bio-Waren gemacht, darunter Müslis, Nussmuse, Öle und mehr – insgesamt sind es über 600 Produkte. „Bis auf wenige Ausnahmen sind das Trockenprodukte“, erklärt Katja Egli, Teamleiterin im Marketing bei Rapunzel. Trockenprodukte seien eben einfacher zu lagern und zu verpacken. Wie diese Produkte abgefüllt und verpackt werden, sehen wir beim Rundgang durch die Produktion. Und – wie es bei Journalisten eben so ist – es hagelt gleich kritische Fragen: „Plastikverpackungen bei Bioprodukten?!“ „Palmöl in Bioprodukten?!“ „Wie erklären Sie einem Menschen, der im Monat von 1500 Euro lebt und drei Kinder versorgen muss, dass er sich bio ernähren soll?“

Katja Egli, die einst bei der Allgäuer Zeitung volontiert hat, und ihre Kollegen beantworten die kritischen Fragen geduldig und erklären außerdem, was für Biosiegel es gibt, wie die Gründerfamilie der Firma Rapunzel lebt und wie es in Biobetrieben zugeht. Auch Serafine Wilhelm, die Tochter des Gründers Josef Wilhelm, stellt sich einigen Fragen und erzählt von ihrem Leben als Kind in einer Zeit, in der Bioprodukte noch nicht hip waren: „Schokolade habe ich das erste Mal gegessen, als ich zehn war.“ Da man aber bei Rapunzel damals schon gemerkt hat, dass Bioprodukte nur dann ankommen, wenn man nicht nur gesunde Müslis, sondern auch Süßigkeiten verkauft, gehören Schokoladentafeln und –cremes mittlerweile fest zum Sortiment. Gut für uns, denn wir dürfen Öle, Schokolade, Nüsse und getrocknete Früchte probieren.

Verkostung bei Rapunzel

Nach dem Mittagessen in der Rapunzel-Kantine – es gab vegane Kost, und ich habe überlebt – fahren wir einige Kilometer weiter auf einen Biolandwirtschaftsbetrieb. Bei Familie Waizenegger lernen wir nicht nur, was Hörner bei Kühen für Vor- und Nachteile haben, sondern auch die harten Seiten des Bauernlebens kennen: „Vor ein paar Tagen isch ein echt schönes Kalb geboren und heut Morgen isch er dann leider verreckt“, erzählt Rainer Waizenegger. Gott sei Dank gibt es noch vier weitere Kälber und viele Kühe – die Rainer Waizenegger alle beim Namen kennt – auf dem Hof, und so sind circa dreißig Volontäre erst einmal beschäftigt.

Wie beschäftigt man dreißig Volontäre beim Volotag der Günter Holland Journalistenschule? Kostproben und Kälber streicheln

Aber wir sind ja nicht gekommen, um Kälber zu streicheln und Schweine zu füttern: Rainer und Elisabeth Waizenegger erinnern sich, wie sie ihren Betrieb vor circa zwanzig Jahren auf „bio“ umgestellt haben: „Damals waren wir voller Tatendrang und haben sogar einen Krisenstab gegründet“, erzählt der Landwirt von der Phase, als „bio“ in Deutschland langsam im Kommen war. Und von der ersten Kuh des Paares, damals das Hochzeitsgeschenk: „Die haben wir Whisky getauft, ihr erstes Kalb dann Wodka und so weiter.“ Rainer Waizenegger erklärt, wie man Kühe ohne Antibiotika gesund hält, wie sie ihre Tiere jeden Tag bei gutem Wetter auf die Weiden austreiben und welche Zuchtlinie sich bei den Kühen besonders bewährt hat. Währenddessen stehen diese unter den rotierenden Viehkratzbürsten, laufen im Laufstall herum und schlafen auf der Weide. „Kuh sollte man sein“, seufzt ein Kollege.

Oder Schwein: Denn „Schnitzel“, „Kotelett“, und „Steak“ werden von uns fleißig mit Äpfeln gefüttert. „Die Namen hat mein Sohn erfunden“, sagt Rainer Waizenegger. An dem Scherz ist aber Wahres dran, und plötzlich will keiner mehr Schwein sein: Die Familie Waizenegger ist Mitbegründer einer bäuerlichen, regionalen Direktvermarktungsinitiative mit Metzgerei und Ladengeschäft. Das Schweinefleisch kommt also dorthin, die Milch wird von Allgäu-Milch-Käse in Kimratshofen weiterverarbeitet. Dem Dorf, in dem auch die Familie Wilhelm von Rapunzel immer noch wohnt. Das Unterallgäu ist eben doch nicht so rückständig wie böse Zungen behaupten: Hier war bio schon vor Jahrzehnten cool!

Wer mehr über den Betrieb der Familie Waizenegger erfahren möchte, findet hier mehr Informationen.

 

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Schreiben mit den Sinnen

Die Geräusche eines Films zu Papier bringen, ohne ihn vorher gesehen zu haben, war die Aufgabe der auditiven Übung. Foto: Poliwoda

Acht Volontäre besuchten das Seminar „Kreatives Schreiben“ mit Sebastian Poliwoda von der Akademie der Bayerischen Presse. Dabei kam es nicht nur auf das richtige Näschen und das passende Gehör an. Nach zwei spannenden Tagen gab es Geschichten voller Phantasie, zum Teil mit einem Hauch Romantik.

Auf dem Handrücken glänzt die feuchte Pfütze eines starken Damenparfüms. Der Raum ist gefüllt mit Stille,  der Mixtur unterschiedlichster Duftnoten. Eine schwarze Schlafmaske bedeckt die Augen. Jeder drückt seine Nase auf die duftende Stelle. Jeder konzentriert sich nur auf eines: den eigenen Geruchssinn.

Einen Menschen allein mit Hilfe seines Duftes porträtieren – ohne ihn zu sehen, ohne zu wissen, ob er überhaupt existiert. Beim Zweitagesseminar „Kreatives Schreiben“ mit Sebastian Poliwoda von der Akademie der Bayerischen Presse ging es mitunter genau darum. Um das Fokussieren auf die eigenen Sinne. Um das Schreiben fernab eines starren Musters. Um den individuellen Stil, das Verschriftlichen seines persönlichen Gedankenwirrwarrs.

Bei dem Zweitagesseminar kommen Nase und Ohren zum Einsatz

Es mochte komisch aussehen: acht junge Menschen, blind, hilflos dasitzend auf ihren Stühlen. Zweifellos: Der Tag war anders als bisherige Schulungstage.

Nicht nur unsere Nase kam zum Einsatz, auch das Gehör. Bei der Übung zum auditiven Schreiben spielte unser Dozent Poliwoda, ein studierter Philosoph und erfahrener Journalist, einen Film ab. Und wieder waren unsere Augen bedeckt. In der Hand hielten wir einen Stift, um die wahrnehmbaren Laute zu verschriftlichen – mit Schlafmaske. Das Aufgenommene zu einer kleinen Geschichte zusammen zu dichten war die Kunst der Übung. Heraus kamen einige Texte mit Melancholie und Tiefgang, andere mit Humor und Action. Keiner glich dem anderen. Jeder hatte andere Ideen, eine andere Phantasie.

Nach dem Clustering gibt es romantische und witzige Geschichten 

Erkennbar auch beim Clustering, einer Methode des Kreativen Schreibens. Ähnlich wie bei einer Mind-Map sollten wir alles aufschreiben, was uns zu einem festgelegten Begriff einfiel. Viele entschieden sich für „Sofa“. Während der eine an ein nettes Intermezzo mit der Liebsten dachte, sahen sich andere Volos beim Möbelschleppen oder hatten den Kaffeefleck auf dem Polster im Kopf. Die anschließenden Sofa-Geschichten waren ebenso romantisch wie amüsant.

Als der Haiku, eine japanische Gedichtform, anstand, erinnerte das an Schulzeiten. Gedichtanalysen rauf und runter – kein besonders schöner Rückblick. Doch der Haiku ist die kürzeste Gedichtform der Welt und besteht aus höchstens 17 Silben. Kurz und knackig, aber mit allerhand Inhalt. Und zu erfahren, was den Volontärskollegen beim Thema Sommer, Urlaub oder Geburtstag alles so in den Sinn kommt, war ein netter Nebeneffekt.

Volontäre der Augsburger Allgemeinen kennen sich jetzt noch besser

Zwei schöne Seminartage, die viel länger hätten gehen können. Doch was bleibt, ist das Gefühl, seinen Schreibstil und vor allem seine Kollegen nun ein bisschen besser zu kennen.   

Im gesamten Seminarraum roch es während der Übung nach Parfüm. Foto: Poliwoda