Leonie Küthmann

Leonie Küthmann, Jahrgang 1993, im Allgäu geboren und aufgewachsen, verbrachte ihr Lokaljahr bei der Mindelheimer Zeitung. Zum Studium wagte sie sich vorher aber tatsächlich aus dem Allgäu heraus: Nach Konstanz, Oslo und ins schöne Augsburg. Während der Semesterferien in den Urlaub fahren? Auf keinen Fall: Leonie schlug unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung in Freising, bei BR5 und SWR3 auf. Wenn sie heute Urlaub nimmt, dann nur, um Reitturniere anzusteuern, die Deutsche oder die Europameisterschaft der American Quarter Horses. Entgegen jedem Klischee vom Pferdemädchen redet sie nicht nur über Pferde, sondern diskutiert auch viel über Politik, Gesellschaft und Literatur, gerne auch auf Englisch, Spanisch oder Norwegisch.

Fliegendes Klassenzimmer

Input für Volontäre: #newscamp2019

Im Newscamp 2019 lernen die Zeitungsvolontäre der Günter Holland Journalistenschule alles über neue Strategien im Zeitungs- und Verlagswesen – und darüber, wie viel Essen man innerhalb von zwei Tagen wirklich zu sich nehmen kann.

„Input“ würde man es in modernen Firmen wohl nennen: Futter fürs Gehirn – Vorträge, Workshops, Gespräche. Namhafte Redner von Zeitungen, Verlagshäusern, aber auch von Start-Ups. Erkenntnisgewinn war das eigentliche Ziel des Newscamps 2019. Gefühlt gab es den wirklich wichtigen „Input“ aber für den Magen: Mini-Leberkäs, Mini-Croissants, Mini-Butterbrezen – jedes erdenkliche Lebensmittel im Kleinformat. Aber auch Apfelstrudel, Kaiserschmarrn, Cold Brew Coffee, Salate, belegte Brote, Joghurt, Obstsalat … Okay, jetzt höre ich auf. Ach so, Kaviar gab es übrigens noch dazu. Auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört: Wir waren nicht zwei Tage vom Arbeitsalltag freigestellt, um alle möglichen lukullischen Genüsse zu erleben, sondern um beim Newscamp 2019 zu erfahren, was es in der Medien- und Verlagsbranche Neues gibt.

Am Newscamp 2019 nahmen alle Zeitungsvolontäre der Günter Holland Journalistenschule teil

Alle Zeitungsvolontäre der Günter Holland Journalistenschule – aus dem ersten und dem zweiten Jahrgang, aus Augsburg und dem Allgäu – trafen sich also im Kongress am Park in Augsburg. Während der ein oder andere Volontär aus dem Allgäu noch über die lange Fahrt klagte, wurde die Veranstaltung von Kjersti Thornéus eröffnet, die definitiv eine noch längere Anreise hatte: Sie arbeitet beim norwegischen Medienkonzern Schibsted und erklärte in ihrem Vortrag, wieso „User Revenue“, also der Erlös, den ein Unternehmen pro Kunde macht, die neue Antriebskraft im Journalismus ist.

Fotos: Philipp Schulte

Die Volontäre lernen viel über Online-Journalismus und Social Media

Thorneus‘ Vortrag war nur der Auftakt zu einer Veranstaltung, in der immer wieder folgende Fragen aufkamen: Wie kann man jüngere Medienkonsumenten an sich binden? Welche Online-Modelle sind sinnvoll? Wie kann man online stark sein und trotzdem das Print-Produkt nicht vernachlässigen? In  den Vorträgen ging es viel um Social Media, vor allem um Instagram und die dort etablierten Story-Formate, die mittlerweile auch Google anbietet. Und auch die positiven Erfahrungen des ZDF signalisierten hoffentlich den letzten Zweiflern: Sorry, ihr kommt an neuen Formaten auf Social Media eben doch nicht vorbei. Besonders interessant waren hierzu die Vorträge vom Journalisten Richard Gutjahr, und von David Grant, der bei Facebook arbeitet. Gutjahr plädierte dafür, Plattformen wie Instagram oder Facebook aktiv zu nutzen, sie nicht „den Rechten zu überlassen“. Grant hingegen beschrieb, wie Facebook in den USA mittlerweile verstärkt auf die Zusammenarbeit mit regionalen Medien setzt.

Am Ende des Newscamps sind wir alle im #foodcoma

Online und das Lokale – zwei Themen, die wir auch in den zahlreichen Pausen viel diskutierten. Zwar stehen die einen von uns quasi noch am Anfang ihres Lokaljahres, die anderen haben es bereits hinter sich, Erfahrungen haben wir aber mittlerweile alle gemacht. Und Ideen haben wir sowieso. Am Ende der zwei Tage waren wir ganz schön müde – das lag aber bestimmt nur daran, dass wir ständig aufmerksam gelauscht haben und nicht am – wie man auf Instagram – sagen würde: #foodcoma.#

Zahlreiche Start-Ups haben ihre Produkte auf dem News-Camps 2019, einer Digital-Konferenz für Verlage und Medienunternehmen, in Augsburg den Teilnehmern präsentiert. In diesem Video ist Oliver Seidl zu sehen, der die Live-Blogging-Software „Storytiel“ vorgestellt hat. Sie hilft, von Events live zu bloggen und Fotos direkt zu publizieren. Video: Philipp Schulte    

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Traum-Termin für tierliebe Volontäre

Ja, wir arbeiten viel. Schreiben, fotografieren, filmen, posten, redigieren, Seiten bauen, Interviews führen, Seminare besuchen. Kein Tag ist wie der nächste und kein Termin gleicht dem anderen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es Termine, die schöner sind als andere. Und bei mir persönlich sind das alle Termine, die irgendwie mit Tieren – speziell mit […]

Ja, wir arbeiten viel. Schreiben, fotografieren, filmen, posten, redigieren, Seiten bauen, Interviews führen, Seminare besuchen. Kein Tag ist wie der nächste und kein Termin gleicht dem anderen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es Termine, die schöner sind als andere. Und bei mir persönlich sind das alle Termine, die irgendwie mit Tieren – speziell mit Pferden – zu tun haben. In meiner Zeit an der Günter Holland Journalistenschule hatte ich schon Termine auf diversen Bauernhöfen, auf einer Freilandfarm für Hühner und bei einer Rehaklinik für Pferde. Dass ich gerade in letzterem Fall diese Treffen mit den Interviewpartnern immer für Frühjahr geplant habe, ist natürlich reiner Zufall. Es liegt auf keinen Fall daran, dass im Frühjahr Fohlenzeit ist …

Volontäre der Günter Holland Journalistenschule machen auf Terminen oft auch tierische Bekanntschaften

Journalismus macht noch mehr Spaß, wenn Pferde involviert sind. Foto: Ulrich Wagner

Eines der schönsten Erlebnisse für die Volontärin der Augsburger Allgemeinen: das Fohlen Elliot kennenlernen

 

Als Volontärin macht man immer neue Bekanntschaften. Der kleine Elliot war definitiv eine der süßesten! Foto: Johanna Oswald

Nach Redaktionsschluss

Über Volos und die Welt

Kleine Stärkung nach der Diskussion. Elisa Glöckner, Mareike König und Jonas Voss. Foto: Leonie Küthmann

Es gibt viel zu tun für die Altvolos: In der Zentrale der Augsburger Allgemeinen lernen wir die Mantelressorts kennen – und brauchen den ein oder anderen Abend, um uns darüber auszutauschen. Das geht bei Podiumsdiskussionen ebenso gut wie beim Burgeressen.

Themen recherchieren, Porträts schreiben, Online-Artikel aufbereiten – ja, wir Altvolos der Günter Holland Journalistenschule  sind schon im ersten Monat in der Zentrale voll im Einsatz. Jeder will sich in einem anderen Ressort beweisen, jeder weiß aber auch, dass die nächste Station höchstens vier Wochen entfernt ist. Sich von dem jeweiligen Vorgänger-Volo Tipps zu holen ist nötig, um das Überleben zu sichern. Zumindest fühlt man sich manchmal so.  Sich im Haus ausführlich auszutauschen, ist aber quasi unmöglich – weil jeder irgendwo anders ist, andere Termine und Tagesabläufe hat. Der nach Austausch lechzende Volo schreibt also in einschlägige Whatsapp-Gruppen mit dem raffinierten Namen – „Volos“ – und lädt zur gemeinsamen Unternehmung.

Gemeinsamer Volo-Abendtermin: eine Podiumsdiskussion mit Kurt Gribl, Axel Piper und Sina Trinkwalder

Einer unserer gemeinsamen Abendtermine fand vor kurzem in Augsburgs Zentrum statt: eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Über Gott und die Welt“. Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der Neu-Augsburger und Regionalbischof Axel Piper sowie die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder beschäftigten sich mit allen möglichen Themen rund um Politik und Gesellschaft, vor allem aber rund um Augsburg.Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, Unternehmerin Sina Trinkwalder und Regionalbischof Axel Piper (v.l.) diskutieren. Foto: Leonie Küthmann

Zu Beginn der Podiumsdiskussion sprach Axel Piper ein Thema an, das auch die Augsburger Allgemeine in den vergangenen Monaten viel beschäftigt hat: der Brief eines Lesers der Süddeutschen Zeitung. Inhalt in Kurzform: „Die Augsburger sind die unfreundlichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe.“ Piper, der seit wenigen Wochen in Augsburg wohnt, sagt dazu nur recht trocken: „Wer die Augsburger nicht nett findet, soll mal einen grantigen Oberbayern kennenlernen.“

Aber irgendwie kommt Augsburg nicht immer so gut weg wie bei Piper: „Augsburg wurde in allen Punkten schlechtgeredet“, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl auf die Frage, weshalb er damals in die Politik gegangen sei. Dass Augsburg immer negativ gesehen wurde, habe ihn „angekäst“. Und auch Sina Trinkwalder schimpft: „Alle dreschen immer auf die Fuggerstadt ein.“ Ihr Unternehmen manomama produziert umweltfreundlich in der Region und beschäftigt dabei Menschen, die auf dem gängigen Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten. Sina Trinkwalder hat über ihr Unternehmen und ihre Philosophie mehrere Bücher geschrieben und gilt als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Als Volo der Günter Holland Journalistenschule freut man sich über jedes autorisierte – und nicht veränderte – Interview

Ich persönlich durfte das schon in meinem Lokaljahr bei der Mindelheimer Zeitung erleben: Sina Trinkwalder sollte einen Vortrag in Mindelheim halten und ich sie vorab interviewen. Problem: Sie war damals sehr, sehr erkältet – das Interview am Telefon fand trotzdem statt. Viele markige Sprüche, Thesen, die sicher nicht jedem gefallen – so sah das Interview am Ende aus und ich hatte etwas Angst, dass Sina Trinkwalder das so nicht autorisieren würde. Aber im Gegensatz zu vielen Politikern und Amtsträgern, die gerne mal so verfahren, kam von Sina Trinkwalder nur eine Mail: „Alles wunderbar! Lg Sina Trinkwalder“. Ein entspannter Tag im Leben eines Jungvolo.

Aktuelles Top-Thema bei den Altvolos: der Einsatz in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen

Auch bei der Podiumsdiskussion wurde viel debattiert – zumindest unter den drei Gästen. Der Rest des Publikums hielt sich der Fragerunde sehr zurück. Zugegebenermaßen waren wir Volos auch nicht so diskussionsfreudig, wie man uns sonst kennt. Das haben wir eine Woche später beim gemeinsamen Burgeressen nachgeholt – und tatsächlich ging es auch bei uns um „Gott und die Welt“: Sollte man Weihnachten feiern, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist? Was spricht für eine Pille für Männer? „Rettet die Bienen“ – sinnvolles Volksbegehren zum Artenschutz oder vollkommen falsch aufgezogen? Und natürlich haben wir uns auch ausgetauscht: über Geschichten, die wir gerade für die Augsburger Allgemeine  recherchieren, kleine Fettnäpfe, die man vermeiden sollte, und vor allem über die Frage: „Was erwartet mich im nächsten Monat in Ressort XY?“ Wir werden sicher ausführlich auf Heimatfieber darüber berichten.Wer viel arbeitet, muss auch ordentlich essen. Burger zum Beispiel. Foto: Leonie Küthmann