Jonas Voss

Geboren in Münster, gezwungen nach Bayerisch-Schwaben. Jonas Voss, Jahrgang 1988, hat als passionierter Anhänger des BVB einen schweren Stand im beschaulichen Augsburg. Nach der Schule, selbstverständlich höchst erfolgreich beendet, zog es ihn nach München. Es begann eine maximal ertragreiche Studienzeit zwischen Badesee und Wiesn – für die Zugroasten Oktoberfest. Sie endete jäh 2012. Nach vier Jahren im Marburger Exil, die Liebe zur Geschichte zog ihn dorthin, verschlug es ihn 2017 in die Online-Redaktion der Augsburger Allgemeinen. Danach stand fest – ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen muss es sein. Nach einem ersten Jahr in der Lokalredaktion Dillingen schreibt sich Jonas nun durch die Mantel-Ressorts der Augsburger Allgemeinen.

Jeden Tag ein Abenteuer

Volontär macht jetzt Fernsehen

Meine Volontärs-Betreuerin Simone Bronnhuber beim Videodreh. Foto: Stefanie Sayle

Ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen findet ein Jahr in einer Lokalredaktion statt. Um zukünftigem Nachwuchs zu zeigen, dass Lokaljournalismus mehr ist, als nur Kaninchenzüchter zu besuchen und Hände zu schütteln, gibt es bald einen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Das Leben eines Lokaljournalisten glitzert nur so vor Glamour – Händeschütteln mit dem neuen Stadtpfarrer, Fotografieren des schönsten Kaninchens im Landkreis und abends ein Video vom Auftritt der örtlichen Blaskapelle. Spaß beiseite: Lokaljournalismus ist ein vielfältiger und anspruchsvoller Beruf, der stressresistente und aufgeschlossene Journalisten braucht. Und 2018 fordert er nebenbei noch eine Prise digitaler Kompetenzen – WhatsApp, Facebook und Co. wollen bedient sein. Und unter anderem darum geht es in einem neuen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Ein zweites Bewerbungsgespräch für den Volontär der Augsburger Allgemeinen

Er wird zukünftig Schulklassen und anderen Besuchergruppen der Zeitung gezeigt und wurde in der Lokalredaktion Dillingen gedreht. Meine Wenigkeit durfte dabei sein. In einem Gespräch mit Stefanie Sayle, der Geschäftsführerin der Medien Akademie Augsburg, sollte ich meine Entscheidung, Journalist zu werden, darlegen. Im Vorfeld erhielt ich ein Skript mit drei Fragen, auf die ich meine Antworten beinahe auswendig lernte – nur um dann zu improvisieren. Um es nicht zu einfach zu machen, waren während des Gesprächs zwei Kameras auf uns gerichtet – in die wir keinesfalls blicken durften. Und ja nicht verhaspeln, zu schnell reden oder zu gestelzt (gerade letzteres beherrsche ich ausgezeichnet, sofern ich das wünsche). Nachdem das Bewerbungsgespräch mit Frau Sayle erneut, wie im Juli während des Bewerbertags für das Volontariat, glatt über die Bühne ging, begleiteten  Kameras die gesamte Redaktion während der Morgenkonferenz. Eine Stunde angestrengt in keine Linse blicken oder auf Kommando zu lachen, machte diese Konferenz zu einer besonderen Herausforderung. Immer wieder gab es Unterbrechungen, musste dieser Satz wiederholt oder jener Blick in die Kamera geworfen werden.

Entspannung findet der Volontär beim Jahresgespräch

Anschließend entließ uns das Filmteam erneut in die unbeschwerte Welt journalistischen Arbeitens – bis auf meine Volo-Betreuerin, Simone Bronnhuber. Sie verbrachte ihren Arbeitstag damit, zukünftige Zuschauer mit auf eine Reise durch den Arbeitsalltag im Lokalen zu nehmen. Landrat und Oberbürgermeister interviewen, bei einem Unfall vor Ort sein – Termine und Ereignisse, die jeder von uns Volontären kennt. Für mich stand an diesem Tag ein weiterer Termin der besonderen Art an: Das Jahresgespräch mit Frau Sayle. Völlig entspannt, ohne künstliches Lachen, ohne Drehbuch.

Fliegendes Klassenzimmer

Volontäre als Aushilfspolizisten

Eva Schichl präsentierte die Situation der Polizeiinspektion Augsburg Mitte.Foto: Franziska Wolfinger

Die Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule rücken regelmäßig zu Lehrgängen aus. Dieses Mal besuchen sie die Bereitschaftspolizei Königsbrunn. Dabei ist Sportsgeist gefragt.

Ein Journalist liest, recherchiert und schreibt. Tätigkeiten, die eher wenig mit körperlicher Belastung zu tun haben (dafür umso mehr mit geistiger!). Und plötzlich gilt es, einen Menschen mit mehr oder minder gewaltsamen Methoden von dem Ort seines Daseins zu entfernen. Fies, wenn das vermeintliche Opfer darin geschult ist, dem Begleitservice größtmöglichen Widerstand entgegenzubringen. Wie es zu so einer Situation kommt? Man nehme drei Dutzend  Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule, bringe sie zur Bereitschaftspolizei in Königsbrunn und konfrontiere sie mit dem Alltag der Beamten  in Augsburg.

Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule sind für alles bereit

Ehe es an die sportlicheren Herausforderungen ging, wurden die Volontäre erst einmal mit etwas versorgt, was sie nur zu gut aus dem eigenen Berufsalltag kennen: Vorträge, Zahlen und Fakten. Nachdem die Leiterin der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte, Eva Schichl, ihren Vortrag über die Erfahrungen ihrer Kollegen der Inspektion beendet hatte, stellte sie sich den Fragen der Nachwuchsjournalisten.

Schichl, die mittlerweile Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd ist,  hatte zuvor viel über die nicht immer einfachen Einsätze ihrer Inspektion gesprochen. Vor allem auf der Maximilianstraße. Auf die Prachtmeile, die so manche Nacht alles andere als prächtig daherkommt, führte sie auch die vorderste Position Augsburgs in der Statistik „Gewalt gegen Polizisten“ zurück. Allerdings könne das ebenso an ihrem eigenen Anzeigeverhalten liegen, räumte sie ein: Schichl versucht, jedwede Beleidigung gegenüber Kollegen strafrechtlich zu verfolgen. Denn der Ton auf den Straßen sei rau. Wie rau es dabei zugeht, durften die jungen Journalisten schließlich am eigenen Leib erfahren. Volontär, vom französischen „volontaire“, also Freiwilliger, (danke, Wikipedia) zu sein, heißt eben auch, alles bereitwillig mitzumachen.

Einige Kolleginnen und Kollegen erhieten Waffengurt, Helm und Schutzausrüstung. Damit durften sie sich frei bewegen. Knickten die Geistesarbeiter hier bereits ein? Mitnichten. Souverän knietn die Aushilfspolizisten an Treppenenden und schritten würdevoll – so würdevoll, wie es eben mit einer mehrere Nummern zu großen Ausrüstung geht – durch das Plenum. Nachdem die Waffen abgelegt waren, nahmen die Besucher an einer weiteren Übung teil: Sie versuchten, einige als Randalierer auftretende Polizeibeamte mit sich zu nehmen. Leichter gesagt als getan – die Profis wussten, wie sie Widerstand zu leisten haben. Und zeigten den Journalisten, wie schmal der Grat zwischen notwendiger und willkürlicher Gewalt ist, den Polizisten Tag für Tag beschreiten.

Ein interessanter Tag für die Volontäre der Augsburger Allgemeinen bei der Bereitschaftspolizei

Nach den schweißtreibenden Lerneinheiten und einem Mittagessen – in der Großkantine, unter den kritischen Blicken zahlreicher junger Polizeianwärter – wohAuszubildende der Polizei üben regelmäßig den Arbeitsalltag. Foto: Franziska Wolfingernten die Nachwuchsjournalisten zwei weiteren Übungen  zum Polizeialltag bei, bei welchen sie sich in alltäglichen Situationen des Polizeiberufs, wie Nachbarschaftsstreitigkeiten oder hilfsbedürftigen Passanten, beweisen mussten. Nebenbei waren ihre schauspielerischen Qualitäten, die bei dem einen oder der anderen durchaus vorhanden sind, zu sehen. Denn die Polizeischüler mussten alle Situationen selbst durchspielen.

Am Ende dieses lehrreichen Tages führte Jürgen Harle, Ausbildungsleiter der Bereitschaftspolizei, die Volontärs-Truppe über das weitläufige Gelände, vorbei an Schieß- und Sportanlage. Derzeit wird auf dem Areal für viele Millionen gebaut, denn  die Zahl der Auszubildenden hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Auf Nachfrage gab Harle an, Stallungen für Pferde seien aktuell nicht geplant.

Alles, was uns bewegt

Mehr als ein Bootcamp

Der Seminarraum im Haupthaus der Augsburger Allgemeinen. Das Labor, in dem die Volontäre medial auf ihren Einsatz im Lokalen vorbereitet werden.

Gerade noch Silvester gefeiert, finden sich die neuen Volontäre am 2. Januar am Empfang der Augsburger Allgemeinen ein. Was dann passiert, vom ersten Aufeinandertreffen bis zur Testproduktion einer Tageszeitung unter Laborbedingungen, fasst Jonas Voss zusammen: Er wirft einen Blick auf die ersten sieben Wochen des Volontariats, in denen die Jungsvolos auf ihren Einsatz in den Lokalredaktionen vorbereitet werden. Ein Erfahrungsbericht über Ungewissheit, Action und Stress, aber auch viel Spaß und Humor.

Der 2. Januar, Silvester reißt noch an den Knochen. Vor mir sind schon sieben Andere da, zu diesem Zeitpunkt noch fremde Menschen. Hm, bin ich schon mal nicht der Letzte. Ein Blick in die Runde am Empfang der Augsburger Allgemeinen – sympathische Gesichter, ich bin beruhigt. Schließlich werden wir ins Hauptgebäude der Augsburger Allgemeinen geleitet; allerdings sind wir nur zu zehnt anstatt, wie erwartet, zu zwölft. Schnell erfahren wir, zwei Volontäre sind in letzter Sekunde abgesprungen. Warum? Hatten sie Vorwissen? Erwartet uns eine qualvolle Ausbildung voller Drangsal? Nur einige der Fragen, die an diesem ersten Tag durch meinen Kopf schießen. Ob meine Schicksalsgefährten sich ähnlichen Ungewissheiten stellen? Viel gibt es an diesem Tag noch nicht zu reden.

Das Volontariat an der GHJS lässt Raum für Humor

Nach der ersten Woche ist klar – Zweifel waren unbegründet. Nicht nur, dass wir in der ersten Woche bereits einige altgediente Redakteure kennenlernen durften, auch Schulleiterin Stefanie Sayle erweist sich nicht als Menschenfresser. Diskussionen sind von Beginn an erwünscht, auf unsere Beiträge wird eingegangen. Seminartage mit abschreckend-drögen Titeln wie „Presserecht“ entpuppen sich als interessant und kurzweilig. Die Volontärs-Ausbilderin wie auch viele der Referenten haben Sinn für Humor, lockere Zwischentöne sorgen immer wieder für Erheiterung.
Gefährlich ist lediglich der recht große Parkplatz auf dem Firmengelände. Da die Seminare meist um 10 Uhr beginnen und zu früh kommen ebenfalls unpünktlich ist, erfordert die Einfahrt in das Gelände präzises Timing. Daraus resultiert meist ein Kräfte zehrender Zwischenspurt über die graue Betonwüste Richtung Pforte. In der Rechten die Aktentasche, mit der Linken die Mitarbeiterkarte fest umklammernd verfluche ich regelmäßig die letzte Tasse Kaffee, die noch sein musste. Und unpünktlich sollte man an der Günther Holland Journalistenschule nun wirklich nicht sein.

Ein aktiver Volontär ist gefordert

Die sieben Wochen werden von der Zeit nur so gefressen. Besonders gut gefallen uns die Tage, an denen wir möglichst stark involviert sind. Der Fotokurs mit vielen Möglichkeiten, selbst zu fotografieren, ein Video im Team selbst erstellen, Überschriften üben, Konzepte für Jugendseiten ersinnen, ein spannendes Eishockeyspiel miterleben oder Zeuge eines skurrilen Gerichtsprozesses werden – nur eine Auswahl der Dinge, die meine Kollegen und ich erleben dürfen. So manches bringen wir auch auf Papier, respektive das Word-Dokument; der Spaß daran zeigt uns allen, hierher zu kommen war die richtige Entscheidung.
Wir zehn Volontäre lernen uns in diesen Wochen besser kennen. Die Chemie untereinander stimmt, jeder bringt seine Stärken und Eigenheiten mit. Mit solchen Kollegen lässt es sich gut arbeiten.

Sieben Wochen GHJS wappnen den Volo für das Lokale

Schließlich gelangen wir zu den letzten zwei Tagen. Noch einmal im geliebten PC-Raum mit den hyperschnellen Rechnern (hier ein Geheimnis: es sind nur Hüllen, der Rechner steht woanders) arbeiten. In zwei Teams produzieren wir an diesen beiden Tagen Probe-Zeitungen. Es gilt, Sicherheit im Umgang mit dem Alfa-Mediensystem zu zeigen. Und sogar ich, kein Freund der Technik, mache am zweiten Tag meinen Frieden mit der Software. Nun wird uns wirklich bewusst, vorher ahnte man es ja nur, so eine Zeitung zu befüllen bedeutet Action und Stress. Und dabei sind wir immer noch im Labor; doch wir sind jetzt vorbereitet.
Neuburg, Günzburg, Schwabmünchen, Gersthofen, Nördlingen, Neu-Ulm, Illertissen, Mindelheim, Friedberg, Dillingen – wir kommen.