Jonas Voss

Geboren in Münster, gezwungen nach Bayerisch-Schwaben. Jonas Voss, Jahrgang 1988, hat als passionierter Anhänger des BVB einen schweren Stand im beschaulichen Augsburg. Nach der Schule, selbstverständlich höchst erfolgreich beendet, zog es ihn nach München. Es begann eine maximal ertragreiche Studienzeit zwischen Badesee und Wiesn – für die Zugroasten Oktoberfest. Sie endete jäh 2012. Nach vier Jahren im Marburger Exil, die Liebe zur Geschichte zog ihn dorthin, verschlug es ihn 2017 in die Online-Redaktion der Augsburger Allgemeinen. Danach stand fest – ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen muss es sein. Nach einem ersten Jahr in der Lokalredaktion Dillingen schreibt sich Jonas nun durch die Mantel-Ressorts der Augsburger Allgemeinen.

Alles, was uns bewegt

Volontäre werben potenzielle Volontäre

Foto: Stefanie Sayle

Bei der „Fit for Job“-Messe in Augsburg erzählen zwei Volontäre der Günter Holland Journalistenschule jungen Menschen, wie der Alltag eines Redakteurs bei der Augsburger Allgemeinen aussieht.

Gegen 13 Uhr versagt mir erstmals die Stimme an diesem Samstag – meiner Volontärs-Kollegin Maria geht es ähnlich. Es ist stickig in der Halle F des Messegeländes Augsburg, hier hat die Medien-Akademie Augsburg ihren Stand während der „Fit For Job“. Das ist die schwäbische Ausbildungsmesse. Maria und ich repräsentieren als Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule die Augsburger Allgemeine, mit uns am Stand sind Kollegen der kaufmännischen und technischen Ausbildung der Mediengruppe. Wir sitzen und stehen und sprechen viel an diesem Samstag. Für den Zeitungsjournalismus interessieren sich 16-jährige Mädchen in Begleitung ihrer Eltern ebenso wie Mitzwanziger, die Studium und einige Jahre als freier Mitarbeiter in einer Lokalredaktion bereits hinter sich haben.

Foto: Jonas Voss

Besucher durften einen Blick auf unsere Jugendseiten werfen.

Viele Fragen rund um ein Volontariat an der Günter Holland Journalisten Schule

Die ersten Gespräche, die Maria und ich an diesem Morgen führen, verlaufen etwas zäh. Nicht nur, weil die Besucher oft nicht wissen, was sie fragen können – sondern auch, weil wir Volos noch nicht textsicher sind. Schnell haben wir beide aber den Bogen raus, viele wollen das Gleiche wissen: Wie sind die Arbeitszeiten? Braucht man ein Studium für das Volontariat? Kann ich es ohne Vorerfahrung machen? Wird man danach übernommen? Was genau macht ein Zeitungsjournalist denn alles? Das sind Fragen, die immer kommen. Es dauert nicht lange, und wir können alles Wesentliche zu einem Volontariat an der Günter Holland Journalisten Schule erklären, ohne ins Stocken zu geraten. Auch der AMG-Sportwagen im vorderen Teil der Halle, mit dem der Mercedes-Ausbildungsstand die Messebesucher ködert, hält viele Besucher nicht von unserem Stand fern.

Foto: Jonas Voss

Trotz der Kurven dieses wunderschönen Mercedes kamen viele Besucher zu uns.

Ein anstrengender Tag für die Volontäre auf der „Fit For Job“-Messe

Die positiven Aspekte eines Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen aufzuzählen, fällt Maria und mir nicht schwer – schließlich sind wir beide überzeugt von dem, was wir tun. Umso schöner ist es, wenn wir sehen, jemand interessiert sich wirklich für den Beruf und wird nicht nur von seinen Eltern an den Stand geschleppt. Was nicht heißen soll, dass das nicht vorkommt. Irgendwann machen sich dennoch Hitze – über unseren Sitzplätzen strahlen große Leuchten – und Lärm von tausenden Besuchern bemerkbar. Obwohl wir Volontäre schon von Berufs wegen gut im Sprechen und noch besser im Zuhören sind, strengen die Unterhaltungen im Tagesverlauf an. Mehr als 30 potenziellen Volontären haben wir von unserem Alltag an der Günter Holland Journalisten Schule und in der Lokalredaktion erzählt – vielleicht begegnen wir dem einen oder anderen eines Tages als Kollegen wieder.

Jeden Tag ein Abenteuer

Volontär macht jetzt Fernsehen

Meine Volontärs-Betreuerin Simone Bronnhuber beim Videodreh. Foto: Stefanie Sayle

Ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen findet ein Jahr in einer Lokalredaktion statt. Um zukünftigem Nachwuchs zu zeigen, dass Lokaljournalismus mehr ist, als nur Kaninchenzüchter zu besuchen und Hände zu schütteln, gibt es bald einen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Das Leben eines Lokaljournalisten glitzert nur so vor Glamour – Händeschütteln mit dem neuen Stadtpfarrer, Fotografieren des schönsten Kaninchens im Landkreis und abends ein Video vom Auftritt der örtlichen Blaskapelle. Spaß beiseite: Lokaljournalismus ist ein vielfältiger und anspruchsvoller Beruf, der stressresistente und aufgeschlossene Journalisten braucht. Und 2018 fordert er nebenbei noch eine Prise digitaler Kompetenzen – WhatsApp, Facebook und Co. wollen bedient sein. Und unter anderem darum geht es in einem neuen Imagefilm der Augsburger Allgemeinen.

Ein zweites Bewerbungsgespräch für den Volontär der Augsburger Allgemeinen

Er wird zukünftig Schulklassen und anderen Besuchergruppen der Zeitung gezeigt und wurde in der Lokalredaktion Dillingen gedreht. Meine Wenigkeit durfte dabei sein. In einem Gespräch mit Stefanie Sayle, der Geschäftsführerin der Medien Akademie Augsburg, sollte ich meine Entscheidung, Journalist zu werden, darlegen. Im Vorfeld erhielt ich ein Skript mit drei Fragen, auf die ich meine Antworten beinahe auswendig lernte – nur um dann zu improvisieren. Um es nicht zu einfach zu machen, waren während des Gesprächs zwei Kameras auf uns gerichtet – in die wir keinesfalls blicken durften. Und ja nicht verhaspeln, zu schnell reden oder zu gestelzt (gerade letzteres beherrsche ich ausgezeichnet, sofern ich das wünsche). Nachdem das Bewerbungsgespräch mit Frau Sayle erneut, wie im Juli während des Bewerbertags für das Volontariat, glatt über die Bühne ging, begleiteten  Kameras die gesamte Redaktion während der Morgenkonferenz. Eine Stunde angestrengt in keine Linse blicken oder auf Kommando zu lachen, machte diese Konferenz zu einer besonderen Herausforderung. Immer wieder gab es Unterbrechungen, musste dieser Satz wiederholt oder jener Blick in die Kamera geworfen werden.

Entspannung findet der Volontär beim Jahresgespräch

Anschließend entließ uns das Filmteam erneut in die unbeschwerte Welt journalistischen Arbeitens – bis auf meine Volo-Betreuerin, Simone Bronnhuber. Sie verbrachte ihren Arbeitstag damit, zukünftige Zuschauer mit auf eine Reise durch den Arbeitsalltag im Lokalen zu nehmen. Landrat und Oberbürgermeister interviewen, bei einem Unfall vor Ort sein – Termine und Ereignisse, die jeder von uns Volontären kennt. Für mich stand an diesem Tag ein weiterer Termin der besonderen Art an: Das Jahresgespräch mit Frau Sayle. Völlig entspannt, ohne künstliches Lachen, ohne Drehbuch.

Fliegendes Klassenzimmer

Volontäre als Aushilfspolizisten

Eva Schichl präsentierte die Situation der Polizeiinspektion Augsburg Mitte.Foto: Franziska Wolfinger

Die Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule rücken regelmäßig zu Lehrgängen aus. Dieses Mal besuchen sie die Bereitschaftspolizei Königsbrunn. Dabei ist Sportsgeist gefragt.

Ein Journalist liest, recherchiert und schreibt. Tätigkeiten, die eher wenig mit körperlicher Belastung zu tun haben (dafür umso mehr mit geistiger!). Und plötzlich gilt es, einen Menschen mit mehr oder minder gewaltsamen Methoden von dem Ort seines Daseins zu entfernen. Fies, wenn das vermeintliche Opfer darin geschult ist, dem Begleitservice größtmöglichen Widerstand entgegenzubringen. Wie es zu so einer Situation kommt? Man nehme drei Dutzend  Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule, bringe sie zur Bereitschaftspolizei in Königsbrunn und konfrontiere sie mit dem Alltag der Beamten  in Augsburg.

Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule sind für alles bereit

Ehe es an die sportlicheren Herausforderungen ging, wurden die Volontäre erst einmal mit etwas versorgt, was sie nur zu gut aus dem eigenen Berufsalltag kennen: Vorträge, Zahlen und Fakten. Nachdem die Leiterin der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte, Eva Schichl, ihren Vortrag über die Erfahrungen ihrer Kollegen der Inspektion beendet hatte, stellte sie sich den Fragen der Nachwuchsjournalisten.

Schichl, die mittlerweile Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd ist,  hatte zuvor viel über die nicht immer einfachen Einsätze ihrer Inspektion gesprochen. Vor allem auf der Maximilianstraße. Auf die Prachtmeile, die so manche Nacht alles andere als prächtig daherkommt, führte sie auch die vorderste Position Augsburgs in der Statistik „Gewalt gegen Polizisten“ zurück. Allerdings könne das ebenso an ihrem eigenen Anzeigeverhalten liegen, räumte sie ein: Schichl versucht, jedwede Beleidigung gegenüber Kollegen strafrechtlich zu verfolgen. Denn der Ton auf den Straßen sei rau. Wie rau es dabei zugeht, durften die jungen Journalisten schließlich am eigenen Leib erfahren. Volontär, vom französischen „volontaire“, also Freiwilliger, (danke, Wikipedia) zu sein, heißt eben auch, alles bereitwillig mitzumachen.

Einige Kolleginnen und Kollegen erhieten Waffengurt, Helm und Schutzausrüstung. Damit durften sie sich frei bewegen. Knickten die Geistesarbeiter hier bereits ein? Mitnichten. Souverän knietn die Aushilfspolizisten an Treppenenden und schritten würdevoll – so würdevoll, wie es eben mit einer mehrere Nummern zu großen Ausrüstung geht – durch das Plenum. Nachdem die Waffen abgelegt waren, nahmen die Besucher an einer weiteren Übung teil: Sie versuchten, einige als Randalierer auftretende Polizeibeamte mit sich zu nehmen. Leichter gesagt als getan – die Profis wussten, wie sie Widerstand zu leisten haben. Und zeigten den Journalisten, wie schmal der Grat zwischen notwendiger und willkürlicher Gewalt ist, den Polizisten Tag für Tag beschreiten.

Ein interessanter Tag für die Volontäre der Augsburger Allgemeinen bei der Bereitschaftspolizei

Nach den schweißtreibenden Lerneinheiten und einem Mittagessen – in der Großkantine, unter den kritischen Blicken zahlreicher junger Polizeianwärter – wohAuszubildende der Polizei üben regelmäßig den Arbeitsalltag. Foto: Franziska Wolfingernten die Nachwuchsjournalisten zwei weiteren Übungen  zum Polizeialltag bei, bei welchen sie sich in alltäglichen Situationen des Polizeiberufs, wie Nachbarschaftsstreitigkeiten oder hilfsbedürftigen Passanten, beweisen mussten. Nebenbei waren ihre schauspielerischen Qualitäten, die bei dem einen oder der anderen durchaus vorhanden sind, zu sehen. Denn die Polizeischüler mussten alle Situationen selbst durchspielen.

Am Ende dieses lehrreichen Tages führte Jürgen Harle, Ausbildungsleiter der Bereitschaftspolizei, die Volontärs-Truppe über das weitläufige Gelände, vorbei an Schieß- und Sportanlage. Derzeit wird auf dem Areal für viele Millionen gebaut, denn  die Zahl der Auszubildenden hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Auf Nachfrage gab Harle an, Stallungen für Pferde seien aktuell nicht geplant.