Philipp Schulte

Philipp Schulte hat in Freiburg, Frankreich und Budapest Französisch und Geschichte studiert. Nach Praktika bei der Badischen, Süddeutschen und Frankfurter Allgemeinen Zeitung kam er zum Volontariat nach Augsburg. Sein Lokaljahr absolvierte er in Aichach. In seiner Freizeit spielt er Tennis und geht wandern.

Jeden Tag ein Abenteuer

Wenn der Volo zum Eichhörnchen wird

Volontär Philipp Schulte schlüpfte an seinem letzten Tag bei den Aichacher Nachrichten ins Kostüm des Stadtmaskottchens "Aichi". Foto: Sebastian Richly

„Servus, ich bin der Aichi“: An meinem letzten Tag in der Lokalredaktion schlüpfe ich in das Kostüm des Aichacher Stadtmaskottchens.

Ich sehe nichts, als ich die Tür zur Redaktion öffne. Doch ich spüre, dass es ein besonderer Moment ist. Ich bin als Eichhörnchen verkleidet und betrete halb blind den Raum – durch das Kostüm ist meine Sicht ordentlich eingeschränkt. Zuerst laufe ich auf den Platz unseres Sportredakteurs zu. „Servus, ich bin der Aichi“, sage ich und winke. Da Meister Richly, wie unser Chef ihn nennt, noch nicht da ist, steuere ich auf Redaktionsassistentin Claudia zu. „Servus, ich bin der Aichi.“

Aichi ist das Maskottchen der Stadt Aichach. Ich war bis Ende Januar Volontär bei den Aichacher Nachrichten. Zum Ende meines ersten von zwei Ausbildungsjahren wollte ich mich mit einer besonderen Aktion verabschieden. Ein paar Monate vor meinem letzten Tag kam mir die Idee, als Aichi aufzutreten. Weil es noch so lange hin war bis zum 24. Januar, war ich ganz schön aufgeregt vor diesem Tag. Das Kostüm lieh ich bei der Stadt Aichach aus.

Volontär verkleidet sich als Aichi: Aktion kommt auf Instagram und Facebook gut an

Wer ich wirklich bin, ahnt Claudia nicht, als ich auf sie zulaufe. Sie denkt, dass es der Kollege aus der Anzeigenabteilung ist, der für so etwas auch gut ist. Schnell ein Selfie mit Claudia und weiter zu Katja und Anna-Lena. Die übersehe ich zunächst: wie könnte ich sie auch wahrnehmen – bei derart eingeschränkter Sicht.
Der Chef ist noch nicht da. Ich ziehe den Aichi-Kopf ab, um mich in seinem Büro zu verstecken. Ganz blind in der Redaktion rumlaufen geht dann doch nicht. Als Redaktionsleiter Christian kommt, verlasse ich mein Versteck und laufe – wieder komplett kostümiert – auf ihn zu. Er reagiert eher gelassen als erstaunt. Kommt sowas öfter vor? Ich glaube nicht. Ein Selfie bekomme ich trotzdem. 

Zur Konferenz lege ich die Aichi-Kluft ab. Es ist einfach zu warm in so einem Plüsch-Anzug und der Schwanz zu schwer. Um zwölf Uhr verwandle ich mich das zweite Mal in Aichi, weil unser Sportredakteur kommt. Da er auch gleichzeitig Digitalbeauftragter ist, postet er Fotos von der Aktion auf Instagram und Facebook: „Aichi in unserer Redaktion“, dazu ein Lach-Emoji.

Meine zweite Station mit dem Kostüm ist mein Stamm-Restaurant in Aichach. Dort habe ich mir elf Monate lang mein Mittagessen geholt, nun brauche ich als Eichhörnchen was mit Haselnüssen. Tschüss sagen reicht mir aber auch. Als ich reinkomme, sagt eine Frau zu ihrem Kind: „Schau mal, da ist der Aichi.“ Ich winke, leider fängt das Kind an zu schreien. Als ich den Kopf abziehe, hört es auf.

Wenig später ist das Kostüm wieder bei der Stadt und das Echo in den sozialen Medien beginnt. Über 70 Likes bei Instagram und ein Volo-Kollege teilt die Aktion in unserer Whats-App-Gruppe. Eine andere Kollegin schreibt mir. Diese Resonanz hätte ich nicht erwartet. Ich nehme die Erinnerungen an diesen aufregenden Tag mit ins zweite Volo-Jahr in der Zentrale.