Leonie Küthmann

Leonie Küthmann, Jahrgang 1993, im Allgäu geboren und aufgewachsen, verbrachte ihr Lokaljahr bei der Mindelheimer Zeitung. Zum Studium wagte sie sich vorher aber tatsächlich aus dem Allgäu heraus: Nach Konstanz, Oslo und ins schöne Augsburg. Während der Semesterferien in den Urlaub fahren? Auf keinen Fall: Leonie schlug unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung in Freising, bei BR5 und SWR3 auf. Wenn sie heute Urlaub nimmt, dann nur, um Reitturniere anzusteuern, die Deutsche oder die Europameisterschaft der American Quarter Horses. Entgegen jedem Klischee vom Pferdemädchen redet sie nicht nur über Pferde, sondern diskutiert auch viel über Politik, Gesellschaft und Literatur, gerne auch auf Englisch, Spanisch oder Norwegisch.

Nach Redaktionsschluss

Über Volos und die Welt

Kleine Stärkung nach der Diskussion. Elisa Glöckner, Mareike König und Jonas Voss. Foto: Leonie Küthmann

Es gibt viel zu tun für die Altvolos: In der Zentrale der Augsburger Allgemeinen lernen wir die Mantelressorts kennen – und brauchen den ein oder anderen Abend, um uns darüber auszutauschen. Das geht bei Podiumsdiskussionen ebenso gut wie beim Burgeressen.

Themen recherchieren, Porträts schreiben, Online-Artikel aufbereiten – ja, wir Altvolos der Günter Holland Journalistenschule  sind schon im ersten Monat in der Zentrale voll im Einsatz. Jeder will sich in einem anderen Ressort beweisen, jeder weiß aber auch, dass die nächste Station höchstens vier Wochen entfernt ist. Sich von dem jeweiligen Vorgänger-Volo Tipps zu holen ist nötig, um das Überleben zu sichern. Zumindest fühlt man sich manchmal so.  Sich im Haus ausführlich auszutauschen, ist aber quasi unmöglich – weil jeder irgendwo anders ist, andere Termine und Tagesabläufe hat. Der nach Austausch lechzende Volo schreibt also in einschlägige Whatsapp-Gruppen mit dem raffinierten Namen – „Volos“ – und lädt zur gemeinsamen Unternehmung.

Gemeinsamer Volo-Abendtermin: eine Podiumsdiskussion mit Kurt Gribl, Axel Piper und Sina Trinkwalder

Einer unserer gemeinsamen Abendtermine fand vor kurzem in Augsburgs Zentrum statt: eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Über Gott und die Welt“. Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der Neu-Augsburger und Regionalbischof Axel Piper sowie die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder beschäftigten sich mit allen möglichen Themen rund um Politik und Gesellschaft, vor allem aber rund um Augsburg.Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, Unternehmerin Sina Trinkwalder und Regionalbischof Axel Piper (v.l.) diskutieren. Foto: Leonie Küthmann

Zu Beginn der Podiumsdiskussion sprach Axel Piper ein Thema an, das auch die Augsburger Allgemeine in den vergangenen Monaten viel beschäftigt hat: der Brief eines Lesers der Süddeutschen Zeitung. Inhalt in Kurzform: „Die Augsburger sind die unfreundlichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe.“ Piper, der seit wenigen Wochen in Augsburg wohnt, sagt dazu nur recht trocken: „Wer die Augsburger nicht nett findet, soll mal einen grantigen Oberbayern kennenlernen.“

Aber irgendwie kommt Augsburg nicht immer so gut weg wie bei Piper: „Augsburg wurde in allen Punkten schlechtgeredet“, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl auf die Frage, weshalb er damals in die Politik gegangen sei. Dass Augsburg immer negativ gesehen wurde, habe ihn „angekäst“. Und auch Sina Trinkwalder schimpft: „Alle dreschen immer auf die Fuggerstadt ein.“ Ihr Unternehmen manomama produziert umweltfreundlich in der Region und beschäftigt dabei Menschen, die auf dem gängigen Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten. Sina Trinkwalder hat über ihr Unternehmen und ihre Philosophie mehrere Bücher geschrieben und gilt als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Als Volo der Günter Holland Journalistenschule freut man sich über jedes autorisierte – und nicht veränderte – Interview

Ich persönlich durfte das schon in meinem Lokaljahr bei der Mindelheimer Zeitung erleben: Sina Trinkwalder sollte einen Vortrag in Mindelheim halten und ich sie vorab interviewen. Problem: Sie war damals sehr, sehr erkältet – das Interview am Telefon fand trotzdem statt. Viele markige Sprüche, Thesen, die sicher nicht jedem gefallen – so sah das Interview am Ende aus und ich hatte etwas Angst, dass Sina Trinkwalder das so nicht autorisieren würde. Aber im Gegensatz zu vielen Politikern und Amtsträgern, die gerne mal so verfahren, kam von Sina Trinkwalder nur eine Mail: „Alles wunderbar! Lg Sina Trinkwalder“. Ein entspannter Tag im Leben eines Jungvolo.

Aktuelles Top-Thema bei den Altvolos: der Einsatz in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen

Auch bei der Podiumsdiskussion wurde viel debattiert – zumindest unter den drei Gästen. Der Rest des Publikums hielt sich der Fragerunde sehr zurück. Zugegebenermaßen waren wir Volos auch nicht so diskussionsfreudig, wie man uns sonst kennt. Das haben wir eine Woche später beim gemeinsamen Burgeressen nachgeholt – und tatsächlich ging es auch bei uns um „Gott und die Welt“: Sollte man Weihnachten feiern, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist? Was spricht für eine Pille für Männer? „Rettet die Bienen“ – sinnvolles Volksbegehren zum Artenschutz oder vollkommen falsch aufgezogen? Und natürlich haben wir uns auch ausgetauscht: über Geschichten, die wir gerade für die Augsburger Allgemeine  recherchieren, kleine Fettnäpfe, die man vermeiden sollte, und vor allem über die Frage: „Was erwartet mich im nächsten Monat in Ressort XY?“ Wir werden sicher ausführlich auf Heimatfieber darüber berichten.Wer viel arbeitet, muss auch ordentlich essen. Burger zum Beispiel. Foto: Leonie Küthmann

Fliegendes Klassenzimmer

Live aus dem Curt-Frenzel-Stadion: Volos beim Eishockeyspiel

Beim Spiel der Panther sitzen die Volos in der ersten Reihe. Foto: Leonie Küthmann

Während die Altvolos den ersten Tag in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen bestreiten, besuchen die Jungvolos als Teil des Einführungskurses ein DEL-Spiel der Augsburger Panther. Letztere schreiben zum Spiel einen Übungstext – und als Sportvolontärin im zweiten Jahr kann man sich dann auch einfach mal zurücklehnen.

Manche Dinge passieren eben von einem Tag auf den anderen – gestern Mindelheim, heute Augsburg. Gestern Lokalteil, heute Mantelteil. Und während wir Altvolos, also die im zweiten Ausbildungsjahr, von jetzt auf gleich einer neuen Herausforderung gegenüberstehen, die sich von nun an alle vier Wochen ändert (weil wir ständig die Ressorts wechseln), lernen unsere Nachfolger, die Jungvolos, im Einführungskurs alles, was sie zum Überleben brauchen.

Dazu gehört auch: ein Besuch bei einem Eishockeyspiel der Augsburger Panther mit anschließendem Spielbericht. Genau vor einem Jahr saßen wir, der Jahrgang 2018/19, im Curt-Frenzel-Stadion und haben wachsam ein DEL-Spiel des AEV gegen den EHC Red Bull München verfolgt – natürlich nach vorheriger Einweisung durch den Eishockey-Profi der Augsburger Allgemeinen, Milan Sako.

Teil des Einführungskurses an der Günter Holland Journalistenschule: der Besuch eines Eishockeyspiels

Und wie das eben manchmal so ist, wenn man etwas länger irgendwo arbeitet oder ausgebildet wird: Irgendwann kommt das ein oder andere Privileg vorbei. Man kann es natürlich auch Glück nennen oder einfach dem Kollegen Sako danken, der mir, der aktuellen Sportvolontärin, die Karte am Freitagmittag auf den Schreibtisch gelegt hat – ich durfte mit den Jungvolos, Milan Sako, Andreas Kornes, einem weiteren AZ-Sportredakteur, und der Leiterin der Günter Holland Journalistenschule, Stefanie Sayle, das Spiel des AEV gegen die Nürnberger Thomas Sabo Ice Tigers besuchen.

Teile des Programms: ein Besuch der VIP-Loge, das Spiel, die anschließende Pressekonferenz und ein Besuch der sogenannten Mixed Zone, in der nach dem Spiel Sportler, Funktionäre und Journalisten aufeinander treffen. Gerade die letzten beiden Programmpunkte sind für erfahrene Sportredakteure Routine, als junger – mittlerweile irgendwie halbfertiger – Journalist ist das aber immer noch ein spannendes Erlebnis. Wie läuft eine Pressekonferenz ab? Wie spricht man mit den Spielern? Nachdem ich das Prozedere aus dem Vorjahr schon kannte, wusste ich, dass der Umgang in der Mixed Zone mit den Eishockeyspielern sehr entspannt ist – für die Jungvolos war es aber sicher beeindruckend, die Spieler von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihnen Fragen zu stellen.

Dieses Mal siegten die Augsburger Panther leider nicht

Den Blick von oben lassen sich die Volos nicht entgehen. Foto: Leonie KüthmannLeider konnte das Fazit der AEV-Spieler dieses Mal nicht so positiv ausfallen: Lange hatten die Panther geführt, dann hatte sich das Spiel in den letzten Minuten gedreht – Niederlage gegen Nürnberg. Hierbei sei erwähnt, dass die Spiele der Panther meist positiv ausgehen, wenn die Volos dabei sind – bei uns war das im vergangenen Jahr gegen München übrigens auch der Fall.

Für Milan Sako, der das Spiel aktuell schreiben musste, war das dieses Mal keine besonders angenehme Situation. Die Jungvolos hatten es da etwas entspannter: Ihre Texte sind Übungen und werden nicht veröffentlicht – daher haben sie mehr Zeit, ihre Aufgabe sorgfältig zu erledigen. Und Sorgfalt ist dabei definitiv geboten: Denn wie alle Übungstexte aus dem Einführungskurs besprechen unsere Nachfolger ihre Werke nach einigen Tagen mit Milan Sako und Stefanie Sayle.

Deshalb ist es nur logisch, dass alle Jungvolos eifrig in ihre Blöcke kritzelten, um ja keine Situation auf dem Feld zu vergessen. Ich hingegen konnte mich nach meinem ersten Tag in der Augsburger Zentrale erst einmal zurücklehnen und ein Altvolo-Privileg genießen: einfach nur das Spiel verfolgen. Eine kleine Auszeit nach dem ersten aufregenden Tag im Ressort Sport – kann der erste Tag im Mantel besser sein?

Fliegendes Klassenzimmer

Rapunzel und die drei kleinen Schweinchen – Märchenstunde oder Bio-Exkursion für Volontäre?

Volontäre der Günter Holland Journalistenschule besuchen die Firma Rapunzel in Legau und den Biohof der Familie Waizenegger und lernen alles über Bio-Siegel, Viehhaltung in Bio-Betrieben und die Geschichte der Firma Rapunzel.

„Dienstags gibt’s vegane Kost“. Nein, ich erzähle gerade niemandem von meinen persönlichen kulinarischen Vorlieben. Ich zitiere lediglich den Satz, an dem ich als Erstes hängen geblieben bin, als wir eine weitere Einladung zu einem Volotag der Günter Holland Journalistenschule erhalten haben. In meinem Redaktionsalltag heißt es nämlich normalerweise: Dienstags gibt es Leberkässemmel. Und mittwochs im Zweifelsfall auch. Aber das ist nebensächlich, denn das eigentliche Thema des Volotags lautete nicht „Wie breche ich die Essgewohnheiten des Mindelheimer Volos“, sondern: Was ist bio? Woran erkennt man’s und wie geht es in Biobetrieben zu? Tatort: die Firma Rapunzel in Legau. Was bei allen Volontären der Augsburger Allgemeinen außer mir für ein Fragezeichen im Gesicht sorgte: Wo ist Legau? Und ein Kollege fragte sogar: „Rapunzel?“ Da aber kamen dann von allen anderen prompt Antworten zurück: „Hallo?! Rapunzel! Samba-Creme! Kennt man doch…“

Ausflugsziel der Volontäre: Die Firma Rapunzel in Legau

Ja, die Firma aus dem Unterallgäu hat sich seit Jahren einen Namen als Hersteller von Bio-Waren gemacht, darunter Müslis, Nussmuse, Öle und mehr – insgesamt sind es über 600 Produkte. „Bis auf wenige Ausnahmen sind das Trockenprodukte“, erklärt Katja Egli, Teamleiterin im Marketing bei Rapunzel. Trockenprodukte seien eben einfacher zu lagern und zu verpacken. Wie diese Produkte abgefüllt und verpackt werden, sehen wir beim Rundgang durch die Produktion. Und – wie es bei Journalisten eben so ist – es hagelt gleich kritische Fragen: „Plastikverpackungen bei Bioprodukten?!“ „Palmöl in Bioprodukten?!“ „Wie erklären Sie einem Menschen, der im Monat von 1500 Euro lebt und drei Kinder versorgen muss, dass er sich bio ernähren soll?“

Katja Egli, die einst bei der Allgäuer Zeitung volontiert hat, und ihre Kollegen beantworten die kritischen Fragen geduldig und erklären außerdem, was für Biosiegel es gibt, wie die Gründerfamilie der Firma Rapunzel lebt und wie es in Biobetrieben zugeht. Auch Serafine Wilhelm, die Tochter des Gründers Josef Wilhelm, stellt sich einigen Fragen und erzählt von ihrem Leben als Kind in einer Zeit, in der Bioprodukte noch nicht hip waren: „Schokolade habe ich das erste Mal gegessen, als ich zehn war.“ Da man aber bei Rapunzel damals schon gemerkt hat, dass Bioprodukte nur dann ankommen, wenn man nicht nur gesunde Müslis, sondern auch Süßigkeiten verkauft, gehören Schokoladentafeln und –cremes mittlerweile fest zum Sortiment. Gut für uns, denn wir dürfen Öle, Schokolade, Nüsse und getrocknete Früchte probieren.

Verkostung bei Rapunzel

Nach dem Mittagessen in der Rapunzel-Kantine – es gab vegane Kost, und ich habe überlebt – fahren wir einige Kilometer weiter auf einen Biolandwirtschaftsbetrieb. Bei Familie Waizenegger lernen wir nicht nur, was Hörner bei Kühen für Vor- und Nachteile haben, sondern auch die harten Seiten des Bauernlebens kennen: „Vor ein paar Tagen isch ein echt schönes Kalb geboren und heut Morgen isch er dann leider verreckt“, erzählt Rainer Waizenegger. Gott sei Dank gibt es noch vier weitere Kälber und viele Kühe – die Rainer Waizenegger alle beim Namen kennt – auf dem Hof, und so sind circa dreißig Volontäre erst einmal beschäftigt.

Wie beschäftigt man dreißig Volontäre beim Volotag der Günter Holland Journalistenschule? Kostproben und Kälber streicheln

Aber wir sind ja nicht gekommen, um Kälber zu streicheln und Schweine zu füttern: Rainer und Elisabeth Waizenegger erinnern sich, wie sie ihren Betrieb vor circa zwanzig Jahren auf „bio“ umgestellt haben: „Damals waren wir voller Tatendrang und haben sogar einen Krisenstab gegründet“, erzählt der Landwirt von der Phase, als „bio“ in Deutschland langsam im Kommen war. Und von der ersten Kuh des Paares, damals das Hochzeitsgeschenk: „Die haben wir Whisky getauft, ihr erstes Kalb dann Wodka und so weiter.“ Rainer Waizenegger erklärt, wie man Kühe ohne Antibiotika gesund hält, wie sie ihre Tiere jeden Tag bei gutem Wetter auf die Weiden austreiben und welche Zuchtlinie sich bei den Kühen besonders bewährt hat. Währenddessen stehen diese unter den rotierenden Viehkratzbürsten, laufen im Laufstall herum und schlafen auf der Weide. „Kuh sollte man sein“, seufzt ein Kollege.

Oder Schwein: Denn „Schnitzel“, „Kotelett“, und „Steak“ werden von uns fleißig mit Äpfeln gefüttert. „Die Namen hat mein Sohn erfunden“, sagt Rainer Waizenegger. An dem Scherz ist aber Wahres dran, und plötzlich will keiner mehr Schwein sein: Die Familie Waizenegger ist Mitbegründer einer bäuerlichen, regionalen Direktvermarktungsinitiative mit Metzgerei und Ladengeschäft. Das Schweinefleisch kommt also dorthin, die Milch wird von Allgäu-Milch-Käse in Kimratshofen weiterverarbeitet. Dem Dorf, in dem auch die Familie Wilhelm von Rapunzel immer noch wohnt. Das Unterallgäu ist eben doch nicht so rückständig wie böse Zungen behaupten: Hier war bio schon vor Jahrzehnten cool!

Wer mehr über den Betrieb der Familie Waizenegger erfahren möchte, findet hier mehr Informationen.