Tanja Ferrari

Tanja Ferrari, Jahrgang 1992, ist in dem beschaulichen 200-Einwohner Ort Mindersdorf in der Nähe von Konstanz aufgewachsen. Für das Bachelorstudium zieht es sie in die Landeshauptstadt Stuttgart. Weil sie aber dem Leben in einer Metropole nicht allzu viel abgewinnen kann, entschließt sie sich für den Master ins etwas beschaulichere Augsburg zu kommen. Dort merkt sie schnell, dass Schwaben nicht gleich Schwaben ist. Da die bayrischen Schwaben mittlerweile einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen haben, freut sie sich, im Lokaljahr für die Donau-Zeitung in Dillingen schreiben zu dürfen. In ihrer Freizeit entdeckt sie nicht nur gern die Welt, sondern lernt auch begeistert Fremdsprachen. Ob ihr Dänisch, Schwedisch, Niederländisch, Französisch und Spanisch auch bei ihrem Volontariat an der GHJS helfen, wird sich zeigen.

Jeden Tag ein Abenteuer

Eine Nacht in Nordkorea: Volontärin übernachtet in City Hostel in Berlin

Eine Volontärin zu Besuch in Berlin. Foto: Tanja Ferrari

Elf Monate im Lokalen sind eine lange Zeit. Dass die Tage in meiner Redaktion in Dillingen dann doch so schnell vorbeigehen würden, hätte ich nicht einmal im Traum erwartet. Aber auch in der Zentralredaktion der Augsburger Allgemeinen warten nette Kollegen und viele spannende Geschichten. Angekommen in Augsburg, führt mich mein erster Stopp als Volontärin der Günter Holland Journalistenschule in das Politikressort – und gleich auch nach Berlin.

Elf Monate im Lokalen sind eine lange Zeit. Dass die Tage in meiner Redaktion in Dillingen dann doch so schnell vorbeigehen würden, hätte ich nicht einmal im Traum erwartet. Aber auch in der Zentralredaktion der Augsburger Allgemeinen warten nette Kollegen und viele spannende Geschichten. Angekommen in Augsburg, führt mich mein erster Stopp als Volontärin der Günter Holland Journalistenschule in das Politikressort. An die neue Arbeitsweise muss ich mich erst gewöhnen. In den ersten Tagen beginne ich bereits meine Arbeit abseits des Schreibtischs, die ich aus dem Lokaljahr gewohnt war, zu vermissen. Weniger Außentermine, dafür viele Telefonate.

Das City Hostel in Berlin von außen. Foto: Tanja Ferrari

Bis auf einmal eine ganz andere Geschichte auf mich wartet: Auf dem Grundstück der nordkoreanischen Botschaft in der Berliner Glinkastraße soll seit einigen Jahren illegal ein Hostel betrieben werden. Als ich mit meiner Recherche beginne, kann ich kaum glauben, was ich da lese. Schon seit zwei Jahren beschäftigt das kuriose Mietverhältnis die komplette Hauptstadt. Aus Medienberichten erfahre ich, dass das Hostel längst hätte schließen müssen, doch die Betreiber weigern sich beharrlich.

Um mehr herauszufinden, darf ich selbst nach Berlin fahren. „Wenn du schon dort bist, kannst du auch gleich eine Nacht in Nordkorea verbringen“, witzeln meine Augsburger Kollegen aus dem Politikressort. Gesagt getan. Zugfahrt und Übernachtung sind schnell gebucht. Etwas mulmig ist mir schon, als ich mich einen Tag später auf den Weg zum Bahnhof mache.

Das City Hostel in Berlin ist nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte

So sieht mein Zimmer im City Hostel in Berlin aus. Foto: Tanja Ferrari

Die anfängliche Nervosität legt sich auf der Fahr dann schnell. Als ich allerdings in die Berliner Glinkastraße einbiege, ist die Unsicherheit schlagartig zurück. Schon von weitem sehe ich das Botschaftsgebäude im sozialistischen Baustil aus DDR-Zeiten. Davor geht eine Menschentraube auf und ab. Von den grauen Betonwänden des Plattenbaus hallen ihre Rufe wider: „Freiheit für Nordkoreaner. Auflösung der Arbeitslager. Menschenrechte für alle.

Von der anderen Straßenseite beobachte ich die Demonstranten. Damit hatte ich bei meiner Ankunft nicht gerechnet. Als sie fertig sind, gehe ich auf sie zu und spreche mit ihnen. Sie berichten mir von ihrer Motivation und der Reaktion der Botschaft. Dann geht es in das Hostel. An der Rezeption merke ich nichts mehr von der politisch brisanten Situation vor der Tür. Unkompliziert werde ich eingecheckt, bekomme ein Handtuch und kann dann mein Bett im Viererzimmer beziehen.

So schlimm wie ich es mir nach den Bewertungen auf verschiedenen Internetportalen vorgestellt habe, ist es nicht. Aluminiumstockbetten und zimmerhohe Schließfächer vermitteln zwar ein etwas beklemmendes Gefühl, doch wenigstens ist alles sauber. Dann kommt mein erster Mitbewohner. Er ist Finne und zum ersten Mal in Deutschland. Als ich ihm von meiner Recherche erzähle, kann er es gar nicht glauben. Wir unterhalten uns eine Weile, dann muss ich los. In das Abgeordnetenhaus. Dort habe ich einen weiteren Termin.

Auf der Bundespressekonferenz treffe ich Horst Seehofer

Blick aus dem Berliner Korrespondentenbüro auf die Bundespressekonferenz. Foto: Tanja Ferrari
Meine Nacht im Hostel ist relativ ruhig. Unsere anderen beiden Zimmerbewohner lassen sich erst in den frühen Morgenstunden blicken. Nach dem Auschecken mache ich mich auf den Weg in das Berliner Büro der Augsburger Allgemeinen. Entlang der Spree, nicht weit vom Bundestag, finde ich das Gebäude der Bundespressekonferenz, das sich verschiedene Korrespondenten – darunter auch die drei Redakteure der Augsburger Allgemeinen  teilen. Die Kollegen nehmen mich im vierten Stock herzlich in Empfang und informieren sich neugierig über meine Recherche.

Als ich mich an meinem Schreibtisch eingerichtet habe, will ich gerade mit dem Schreiben beginnen und eine erste Version meines Textes verfassen. Doch da fragt mich eine Kollegin, ob ich mich nicht mit in die Bundespressekonferenz mit Horst Seehofer setzen wolle. Natürlich will ich das. Einzige Bedingung: Ich muss mitschreiben. Nach aufregenden Stunden in der Berliner Hauptstadt mache ich mich am späten Nachmittag wieder auf den Heimweg nach Augsburg.

Meinen Artikel über das City Hostel in Berlin und was Nordkorea damit zu tun hat, findet ihr hier.

Jeden Tag ein Abenteuer

Eine Volontärin als Laufcoach: Warum es im Lokaljahr nie langweilig wird

Gemeinsam mit unseren "Schweinehund"-Läufern haben wir sechs Wochen auf den 6 Kilometer langen Wertinger Stadtlauf trainiert und sind mit ihnen gemeinsam über die Ziellinie gelaufen. Foto: Karl Aumiller

Langweilig wird der Alltag bei einer Tageszeitung nie. Für unsere Redaktionen schlüpfen wir auch gerne einmal in die Rolle von Eventplanern, Organisationskünstlern und Personal Coaches. Wie das konkret aussehen kann?

Wir gehen auf Termine, schreiben fleißig mit, schießen ein paar Fotos und landen dann wieder an unseren Schreibtischen.

Abwechslungsreich ist der Alltag als Volontär und Redakteur bei einer Tageszeitung immer. Termine besuchen und darüber Artikel schreiben ist allerdings längst nicht alles, was wir können.

Für unsere Redaktionen werden wir auch gelegentlich zu Eventplanern, Organisationskünstlern und Personal Coaches.

Das mag auf den ersten Blick nicht viel mit Journalismus zu tun haben — ein Blick hinter die Kulissen zeigt allerdings, dass hinter der Arbeit in einer Lokalredaktion weit mehr steckt.

Wie wir unsere Zeitungsleser zu „Schweinehund“-Läufern machten

In der Redaktion mussten wir fleißig Trainingspläne, Karten und Teilnahmebedingungen sortieren. Foto: Simone Bronnhuber

Eine enge Leserbindung wünscht sich jede Zeitung. Aber wie kann man seine Leser erreichen und aktiv mit ihnen interagieren?

In der Redaktion der Donau-Zeitung in Dillingen hatte sich meine Volo-Betreuerin Simone Bronnhuber dafür etwas ganz Besonderes ausgedacht: Wir sollten unseren Lesern dabei helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und fit für den Sommer zu werden.

Auf allen Kanälen versuchten wir unsere Leser zu erreichen.

Aus Couch-Potatoes sollten Läufer werden. Also gründeten wir kurzerhand eine Gruppe, um mit unseren, liebevoll „Schweinehund“-Läufer genannten, Teilnehmern in sechs Wochen für den sechs Kilometer langen Wertinger Stadtlauf zu trainieren.

Welche Voraussetzungen unsere Teilnehmer mitbringen sollten 

Vorkenntnisse brauchte keiner. Nur Sportklamotten und Motivation waren nötig. Um den Rest kümmerte sich die Redaktion. Und das war gar nicht immer einfach.

In den vergangenen acht Wochen durfte ich an der Seite meiner Volo-Betreuerin die verschiedensten Erfahrungen sammeln.

Was hinter unserer Aktion steckte, zeigt unser Video. 

Angefangen von klassischen Vor- und Nachberichten über die Aktion, bis hin zum Packen von Begrüßungstüten, der Größenberatung bei der Wahl des gemeinsamen T-Shirts, dem Motivieren bei Ängsten und dem Einspringen als Laufcoach, als ein Trainer Urlaub machte.

Beim Lauftraining musste ich auch immer meinen Block und eine Kamera griffbereit haben. Foto: Simone Bronnhuber

Montagabend ist Laufgruppe, das hatte ich mir fett in meinen Kalender eingetragen und so gab es auch keine Ausrede. Weder bei Regen noch bei unerträglicher Hitze.

Beim Training mussten immer mindestens zwei Redaktionsmitglieder die Teilnehmer unterstützen. Wurde es personell eng, schnürte notfalls auch der Chef selbst die Laufschuhe.

Wie das erste Training mit den „Schweinehund“-Läufern ablief. 

Unsere Aktion haben wir nicht nur redaktionell betreut, sondern unseren Teilnehmern auch stets ein offenes Ohr geschenkt. Geduldig haben wir zugehört, wenn jemand Sorge hatte, es nicht ins  Ziel zu schaffen, den Trainingsplan nicht einhalten konnte oder den inneren Schweinehund nicht mehr länger überlistet wollte.

Warum das „Schweinehund“-Team keiner stoppen konnte 

Sechs Wochen sind wir gemeinsam mit unseren Läufern durch dick und dünn gegangen: Haben strömenden Regen, Gewitter und Stechmücken überstanden. Auch beim Wertinger Stadtlauf haben wir unseren „Schweinehund“-Läufer beigestanden und sind geduldig mit unseren Teams ins Ziel gelaufen.

Laufen bei Wind und Wetter – der Schweinehund trainiert auch mit Regenschirm. 

Egal ob Pinkelpausen, Motivationsreden oder Intervall-Einheiten im Gehtempo — wir haben keinen unserer Teilnehmer im Stich gelassen und sind, wenn nötig, auch bei knapp 30 Grad noch einmal umgedreht, damit keiner alleine über die Ziellinie laufen musste.

Angefeuert von vielen Zuschauern hat es das "Schweinehund"-Team beim Wertinger Stadtlauf ins Ziel geschafft. Foto: Karl Aumiller

Dass über all die Wochen harten Trainings kaum ein Teilnehmer abgesprungen ist und letztlich alle ins Ziel gekommen sind, hat nicht nur die Trainer gefreut. Wir waren mächtig stolz auf unsere Läufer und haben bei der Siegerehrung kräftig für sie applaudiert.

Die Freude unserer „Schweinehund“-Läufer über den Erfolg war so großartig, dass das Team auch in Zukunft weiterhin gemeinsam an der Donau trainieren möchte. Bei so viel Teamgeist und Gemeinschaftsgefühl sind feuchte Augen quasi unausweichlich.

Welche Erfahrungen unser „Schweinehund“-Team mitgenommen hat.