Fliegendes Klassenzimmer Uncategorized

Wo (nicht nur) die Politiker arbeiten: Volontäre zu Besuch im Bayerischen Landtag

Wer die Artikel unseres München-Korrespondenten Uli Bachmeier liest, fragt sich schon manchmal: Woher weiß er das? Wie ist er an diese Information gekommen? Wie der Arbeitsalltag eins Landtag-Reporters aussieht und wer sich so alles im Maximilianeum tummelt, erfuhren wir bei einem Seminartag.

Er kennt sie alle. Diesen Eindruck bekommt zumindest, wer mit unserem München-Korrespondenten Uli Bachmeier durch den Bayerischen Landtag läuft. An der Einlasskontrolle scherzt er mit der Pförtnerin, vor dem Sitzungssaal plaudert er mit der Saaldienerin. Im Steinernen Saal – dem großen Raum vor dem Sitzungssaal, wo Journalisten und Politiker aufeinander treffen – erklärt er uns, mit welchen Korrespondenten die Sprecherin von Finanzminister Markus Söder gerade spricht. Und ganz nebenbei erwähnt er, dass er natürlich die Namen aller 180 Abgeordneten kennt.

Wie sieht der Alltag eines München-Korrespondenten aus?

Der Alltag eines Korrespondenten unterscheidet sich deutlich von dem eines Volontärs. Während wir fast immer tagesaktuell recherchieren, uns schnell in neue Themen einarbeiten müssen und jeden Monat in einem anderen Ressort arbeiten, kümmern sich die Journalisten in München fast ausschließlich um die Vorgänge im Landtag. Die Schwerpunkte der Reporter, die für regionale Medien arbeiten, und derer, die überregional tätig sind, unterscheiden sich dabei stark. Das erklärten uns Uli Bachmeier und Main-Post-Kollege Henry Stern im Gespräch mit F.A.Z.-Korrespondent Albert Schäffer und ZDF-Reporter Alexander Poel. Während für die regional tätigen Kollegen zwar auch wichtig sei, präsent zu sein, berichten sie dennoch verstärkt über Entscheidungen, die das Parlament getroffen hat. Bei den überregional arbeitenden Journalisten geht es hingegen hauptsächlich um Hintergrundrecherche und Networking: „Es kann sein, dass ich wochenlang keine Sendeminute habe“, sagte Alexander Poel. „Aber im Ernstfall muss ich alle Hintergründe kennen und innerhalb von fünf Minuten bereit sein, vor die Kamera zu treten.“

Unsere folgenden Gesprächspartner berichteten aus einem anderen Blickwinkel: Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann und Natascha Kohnen, Vorsitzende der Bayern-SPD, plauderten aus dem Nähkästchen. Natürlich alles „unter drei“ (sprich: vertraulich), weswegen die wirklich pikanten Aussagen an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden können. Nur so viel: Seit der Bundestagswahl haben sich auch die Machtverhältnisse im Landtag verändert. Die SPD, die im Bund bald höchstwahrscheinlich in der Opposition sitzen wird, muss sich nun auch in München an eine andere Behandlung durch die übrigen Parteien gewöhnen. Was nicht unbedingt heißt, dass im Gegenzug bald die Zusammenarbeit von Grünen und CSU leichter wird. Denn der Umgang mit der Bayerischen Schwesterpartei ist ein anderer als der mit der CDU in Berlin, erfuhren wir.

Gespräch mit Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann und Natascha Kohnen, Vorsitzende der Bayern-SPD. Foto: Stefanie Sayle

CSU-Fraktionschef Thomas Kreutzer ist an Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition beteiligt

Apropos CSU: Fraktionschef Thomas Kreutzer stellte sich ebenfalls unseren Fragen. Er ist zurzeit an den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition in Berlin beteiligt, weswegen sich unsere Diskussion eher um Bundes- als um Landespolitik drehte. Er berichtete über die Schwierigkeiten in Berlin, „aus einer rein mathematischen Mehrheit auch eine Mehrheit zu bilden, die den Volkswillen widerspiegelt“. Außerdem erklärte er uns, wie die CSU versuchen will, Wähler zurückzuholen, die zur AfD abgewandert sind – eine interessante Frage, vor allem mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehende Landtagswahl.

Zurück zu einem journalistischen Blickwinkel ging es anschließend mit den Pressesprechern Franz Stangl von der CSU und Holger Laschka von den Grünen, die erklärten, wie die Zusammenarbeit mit Medienvertretern und Politikern abläuft.  CSU-Pressesprecher Franz Stangl erzählte zudem von der Angst vieler Politiker, zu twittern: „Die denken, dass mit einem Shitstorm ihre Karriere vorbei ist und posten deshalb nur Unverfängliches.“

Der Mann, der keinen Shitstorm fürchtet: Markus Söder im Gespräch

Einer, der deutlich weniger zurückhaltend in den sozialen Netzwerken unterwegs ist (und dort auch schon manches Mal einen Shitstorm provoziert hat), ist Finanzminister Markus Söder – der uns zum Abschluss unseres Seminartags Rede und Antwort stand. Der studierte Jurist und gelernte Journalist präsentierte uns seine Sichtweise auf das CDU/CSU-Wahldebakel bei der Bundestagswahl, sprach über seine Bedenken für eine Jamaika-Koalition und erklärte, warum Politiker oft so umständlich formulieren: „entweder, weil sie es selber nicht verstanden haben, oder weil sie nicht wollen, dass es jemand anderes versteht.“

Markus Söder, bayerischer Finanzminister, steht den Volontären Rede und Antwort. Foto: Stefanie Sayle

Mit diesem Wissen sind wir dann gerüstet, für künftige Zusammentreffen mit Politikern – ganz gleich, ob im kleinen Gemeinderat oder im großen Landtag.

Nach Redaktionsschluss

Wer arbeitet, darf auch mal Urlaub machen

So spannend das Volontariat auch ist, hin und wieder ist eine kleine Pause vom Redaktionsalltag nötig. Und wo könnte man besser abschalten als im Urlaub? Franziska Wolfinger berichtet über ihre erste Reise während der Redakteursausbildung, die sie von Illertissen nach Bali führte.

Das erste Jahr meines Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen verbringe ich in der Lokalredaktion Illertissen. So spannend das auch ist, hin und wieder ist eine kleine Pause vom Redaktionsalltag nötig. Und wo könnte man besser abschalten als im Urlaub?

Neue Länder kennen lernen und fremde Orte entdecken – das hat mir schon immer viel Spaß gemacht. Während des Studiums war mein persönlicher Reiseradius aus finanziellen Gründen aber auf Europa beschränkt. Und trotz Nebenjob waren die Trips doch immer von den Eltern subventioniert. Urlaub bisher war also auch der Versuch, mit möglichst wenig Geld auszukommen, dabei aber möglichst viel zu sehen und zu erleben. Entsprechend geizig war ich dann auch unterwegs. Übertrieben geizig könnte man wohl auch sagen. Etwa damals in Irland, als ich kein neues Bargeld mehr vom Bankautomaten holte, weil ich mir die Abhebegebühren im Ausland sparen wollte. Die letzten beiden Urlaubstage gab es dann nur noch die Ein-Euro-Hamburger einer bekannten amerikanischen Fastfood-Kette zu essen…

Der erste Urlaub ohne Geldsorgen

Umso angenehmer war dann der erste Urlaub mit, dank des Vologehalts, angenehm gefülltem Bankkonto. Als Reiseziel habe ich mir mit einer Freundin ganz spontan Bali ausgesucht und dann fast so spontan die Flüge gebucht. Denn der Chef muss ja auch sein Okay geben, bevor der Volo für drei Wochen in den Urlaub verschwindet.

Foto: Franziska Wolfinger

Auf Übernachtungen in billigen Hostels haben wir bei unserer Rundreise über die Insel verzichtet. Stattdessen haben wir bei einigen teureren Freizeitangeboten mitgemacht, zum Beispiel einer Schnorcheltour auf der Nachbarinsel. Und die hat sich wirklich gelohnt. Neben den üblichen kleinen bunten Fischchen haben wir auch Mantarochen und Meeresschildkröten gesehen. Spannend war auch die Besteigung eines aktiven Vulkans, an dessen Krater an mehreren Stellen heißer Dampf aus den Felsspalten austritt.

Bali: Schnorcheln statt Recherchieren, Tempel statt Redaktion

Kulturell hat Bali ebenfalls einiges zu bieten. Nicht umsonst wird die Insel als Insel der 1000 Tempel bezeichnet. So viele, wie wir gesehen haben, kommt mir die Zahl fast wie eine Untertreibung vor… Wir waren zumindest fast jeden Tag in einem, oft in mehreren.

Übrigens: Auf Fastfood haben wir in diesem Urlaub komplett verzichtet. Stattdessen gab es öfter mal ein Drei-Gänge-Menu mit frischen Garnelen am Strand. So hat sich der Urlaub auch aus kulinarischer Hinsicht wirklich gelohnt.

Foto: Franziska Wolfinger

Und dass sich die Kollegen dann tatsächlich freuen, wenn der Volo wieder aus dem Urlaub zurückkommt, ist auch eine nette Anerkennung seiner Arbeit.

Fliegendes Klassenzimmer

Volos im Atomkraftwerk: Wie kommt der Strom in die Steckdose?

Nur mit Sicherheitsschuhen und Helmen dürfen wir überhaupt auf das Gelände des Kernkraftwerks. Wer hinein will, muss zudem einen Overall, Handschuhe und ein Strahlenmessgerät tragen.

Arbeiten ohne Strom – für Journalisten heutzutage kaum vorstellbar. Telefonieren, online recherchieren, Texte tippen und Seiten layouten. Für all das brauchen wir Elektrizität. Doch wie entsteht die eigentlich? Und wie kommt sie in die Steckdose? Das erfuhren wir auf unserem Seminartag im Atomkraftwerk Gundremmingen.

Ein kleines Gedankenspiel: Wie würde ein Journalist ohne Strom arbeiten? Vor Ort recherchieren mit Block und Stift in der Hand geht ja noch, aber wie kommt der Termin zustande, wenn ihn der Redakteur nicht per Telefon vereinbaren kann? Wie erfährt er überhaupt von Veranstaltungen, wenn die Einladung normalerweise nicht per Post, sondern per Mail kommt? Und wie genau gelangt der Text dann in die Zeitung?

Das sind nur einige der vielen Fragen, die zeigen, wie elementar Strom für unsere Arbeit ist. Zu wissen, woher der Strom kommt, ist allein deshalb schon wichtig für uns Volontäre. Dass diese Kenntnis außerdem immer wichtiger für unsere Berichterstattung wird, merken wir spätestens im Wirtschaftsressort. Hier fallen Begriffe wie Energiewende, E-Mobilität oder Atomkraft regelmäßig. Jeder, der bei diesen Themen noch Wissenslücken hatte, konnte sie an unserem Seminartag zum Thema Energie schließen.

In Gundremmingen steht eines von acht deutschen Atomkraftwerken, die noch am Netz angeschlossen sind

Dabei standen die Lechwerke in Augsburg und die kleine Gemeinde Gundremmingen auf unserem Tagesprogramm. Gundremmingen liegt im Landkreis Günzburg, gehört also zum Verbreitungsgebiet der Augsburger Allgemeinen, und hat gerade einmal um die 1500 Einwohner. Hier steht eines der acht deutschen Atomkraftwerke, die momentan noch am Netz angeschlossen sind und Energie erzeugen. Genau dorthin sollte unser Volotag führen.

Bevor es aber soweit war, dass wir uns die riesige Anlage mit ihren beiden charakteristischen Kühltürmen genauer anschauten, machten wir einen Zwischenstopp in der Zentrale der Lechwerke in Augsburg. Die sind schließlich dafür da, dass der Strom, der in den Kraftwerken produziert wird, zum Kunden kommt. Wie genau das funktioniert und welcher Aufwand dahintersteckt, wissen wir spätestens seit dem Besuch dort.

Anschließend ging es nach Gundremmingen – mit einem leicht flauen Gefühl im Magen. Atomkraftwerke haben ja nicht den besten Ruf und die Frage, wie sehr es da wirklich strahlt, beschäftigte uns auf der Hinfahrt und wenig später bei einer Präsentation, mit der uns erklärt wurde,  wie das Atomkraftwerk funktioniert. Die Strahlung dort ist übrigens nicht höher als in anderen Orten ohne Kernkraftwerk.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen schützen das Kernkraftwerk Gundremmingen

Die Sicherheitsvorkehrungen, um das Kraftwerk zu schützen, sind enorm. Die Hülle ist extra so gebaut, dass sie dem Einschlag eines Flugzeugs standhalten könnte. Außerdem wurde das ganze Gelände erhöht angelegt, so dass es selbst bei extremem Hochwasser nicht überflutet würde. Mit diesen äußeren Sicherheitsmaßnahmen ist es jedoch nicht getan.

Wollen Menschen die Anlage betreten, müssen sie durch  Sicherheitsschleusen, die denen in Flughäfen in nichts nachsteht. Und wollen sich Besucher dann noch bis zum Reaktorgebäude vorwagen, müssen sie sich umziehen: Schutzhelm, blauer Overall, Sicherheitsschuhe und Handschuhe sind Pflicht. Dazu noch ein kleines Gerät, das die Strahlung misst – fertig.

Folglich dauerte es eine Weile, bis wir endlich im Kernkraftwerk waren. In Führungen sahen wir die riesige Turbine, die den Strom erzeugt, die Kühlbecken, in denen die Brennstäbe lagern, und schließlich noch den Kontrollraum des Kraftwerks. In dem wird darauf geachtet, dass alles reibungslos funktioniert – das flaue Gefühl, das uns auf der Hinfahrt begleitet hatte, war nach diesem Seminartag vermutlich bei den meisten wieder weg.